Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tagebuch-Aufzeichnungen aus den Jahren 1866, 1868, 1869 über Arnold Böcklin
Person:
Schick, Rudolf Tschudi, Hugo von Flaischlen, Cäsar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1455502
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1457960
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Ich bedauerte, dass die Lehre oder Kenntnis von 
den Farbstoffen nicht eigentlich wissenschaftlich ver- 
folgt werden könne, sondern dass dabei nur von einem 
Ordnen der Erfahrungen, die am Ende die Maler selbst 
machen müfsten, die Rede sein könne. Bis jetzt hätte sie 
sich stets als eine Wissenschaft gezeigt, die nur verneint. 
Böcklin meinte, die Malerei selbst sei auch noch 
viel zu neu, wenn man bedenkt, dafs sie vor 500 Jahren 
von Giotto eigentlich erst ihren Anfang nahm. Und 
Giotto selbst, wie roh noch und unvollkommen, und wie 
schlecht erhalten seine YVerke! Und auch noch zu Rafaels 
Zeit war die Technik sehr unvollkommen. Die Fresken 
der Stanzen sind uneben und bauchig, bestehen aus 
grofsen Stücken von 4' im Quadrat, die schlecht rangesetzt 
und durch die hohlen beuligen Formen vielfach verstaubt 
sind. (Dabei nur 112 Zoll dick.) Ein so grofses und dabei 
so dünnes Stück konnte man unmöglich als Fresko gut 
vollenden, und ohne Zweifel ist fast alles überretouchiert. 
Daher auch die glatte ängstliche Ausführung, nirgends die 
Frische des wahren Freskostriches. An der Disputa 
soll 1112 Jahr gearbeitet worden sein. 
Ich äufserte, Entwürfe in Konturzeiclmung mit Kohle 
(wie sein Karton zum ersten Museumsfresko) schienen mir 
am nützlichsten, um das Gefühl für plastische Erscheinung 
auszubilden. Böcklin meinte: man solle sich nur immer 
vorstellen, man wäre nur auf die geringe Skala der Freskoi 
malerei angewiesen und habe damit alles zu erreichen. 
Man ist dann von vornherein gezwungen, zu streben, alles 
mit Licht und Schatten zu erreichen, und dann käme 
SCHICK, BÖCKLlN-TAGEBUCH
        

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