Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tagebuch-Aufzeichnungen aus den Jahren 1866, 1868, 1869 über Arnold Böcklin
Person:
Schick, Rudolf Tschudi, Hugo von Flaischlen, Cäsar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1455502
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1456890
S0 stark auch das Rot in seinem Bilde wäre, neben 
einem alten Bilde, z. B. der Amazonenschlacht von Rubens, 
würde sein Bild doch grau sein. Böcklin stimmte aller- 
dings meiner Bemerkung bei, dafs hier auch andere Be- 
dingungen seien: Er hätte eine weite Perspektive und 
Lichtwirkung malen wollen. Rubens hätte dagegen eine 
Reliefkomposition mit verschiedenen reinen Lökalfarben 
in den Gewändern gegeben. 
16. August 66. 
Böcklin war in letzter Zeit sehr entzückt von dem 
Miserere Allegris, das er auf seinem Harmonium jetzt 
spielt. Als wir neulich in der Dämmerstunde durch die 
Strafsen (S. M. Maggiore) gingen und der Tagesschein 
oben an den Häusern schon mit dem Lampenreflex 
kämpfte, erzählte mir Böcklin, dafs das Miserere ihm 
immer im Sinn wäre und dafs das nächste Bild, das er 
malen wolle, diesen Inhalt haben solle. Er erinnerte sich 
dabei der Grabausstellungen in den Kirchen und alter 
Bilder, wo der tote Christus dargestellt ist, und gedenkt 
das Bild in diesem kämpfenden Zwielicht zu malen: Vorn 
verlöschende Lichter, deren Dampf lang hinzieht. 
Neulich äufserte ich, gehörfzu haben, dafs die hohen 
Sätze im Miserere die klagenden F rauenstimmen am Grabe 
bedeuten sollen. Böcklin tadelte, dafs ich auslegen und 
erklären wolle. Ein Künstler müsse sich nichts dabei 
denken. Allegri habe eben nur einen gefühlten Eindruck 
herausbilden wollen. Der Text sei nur ein Klaggesang.
        

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