Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tagebuch-Aufzeichnungen aus den Jahren 1866, 1868, 1869 über Arnold Böcklin
Person:
Schick, Rudolf Tschudi, Hugo von Flaischlen, Cäsar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1455502
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1456712
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Menschen zu sehen, läge der Ausdruck und Inhalt der 
Darstellung näher als blofse Formenschönheit. 
Böcklin entgegnete: Wie könne man nur glauben, dafs 
den Griechen Gemüt und Gefühl in ihrer bildenden Kunst 
abgehen, da sie doch so viel in ihren Tragödien und in 
ihrer Lyrik zeigen. 
Was ist überhaupt Gefühl, Rührung, Heiterkeit in der 
Kunst, in der Musik? Sind es nicht vielmehr unbeschreib- 
liche Eindrücke, die wir im Auge, im Ohre emphnden und 
denen wir nur Verwandtschaft mit unsern Seelenzuständen 
zuschreiben (wie warm und kalt Analogieen für ein Em- 
pfinden in anderer Richtung)? 
In einzelnen Hauptwerken des Ci n q u e c e n to ist diese 
Aufgabe der Malerei, auf das Auge zu wirken, ohne dafs 
man den Eindruck mit Worten erklären oder schildern 
kann, vollkommen gelöst. Man könnte höchstens davon 
sagen:  es ist eine Frau, die steht so da und neigt 
den Kopf dahinf und damit wäre die Beschreibung fertig. 
S0 z. B. wird Rafa els Violinspieler dem Beschauer immer 
ein Rätsel bleiben. Rafael jedoch ist sich der Ursachen, 
warum er so wirkt, gewifs fast durchweg bewufst gewesen. 
Das ist jedoch nicht wahr, was viele behaupten, dal's er 
habe hineinlegen wollen, der Jüngling würde frühzeitig 
sterben. 
Einige von diesen Bildern sind die einzigen fast, 
Worin die Aufgabe der Malerei vbllständig gelöst ist. 
Die grofse Masse der Schöpfungen des Cinquecento 
sind aber arger Wust. Das fällt einem recht auf, wenn man 
von den pompejanischeil Wandgemäld en in Neapel
        

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