Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tagebuch-Aufzeichnungen aus den Jahren 1866, 1868, 1869 über Arnold Böcklin
Person:
Schick, Rudolf Tschudi, Hugo von Flaischlen, Cäsar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1455502
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1456705
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seine Stoffe, wie Eitelkeit und Bescheidenheit etc., haben 
für die Jetztzeit keine Bedeutung mehr. 
Dafs bei uns keine Kunstblüte ist, liegt an der 
Interesselosigkeit der Menge, nicht" nur an der 
nüchternen, unmalerischen Aufsenseite der Menschen  
denn, dafs die Alten nackt gingen, ist unwahr. Auf der 
Bühne, die doch das Leben repräsentiert, gingen sie nie 
nackt. Es war künstlerische Anschauung bei ihnen, dafs 
sie z. B. einen Sieger nackt in triumphierender Mannes- 
schönheit, die Viktoria mit Kranz aber hinter ihm, dar- 
stellten. Während ein heutiger Künstler, z. B. Adam, im 
Geschmack der Zeit den siegenden Feldherrn mit klarer 
Uebersicht der Schlachtordnung (so dafs ein Fachmann 
gerade die betreffende Schlacht daraus erkennen könnte) 
darstellen würde. 
Es ist in heutiger Zeit auch gar nicht an einen baldigen 
Umschwung zu höherer Kunstanschauung und größerem 
Kunstsinn zu denken, trotz Eisenbahnen, Telegraphen 
und gröfserer Wechselbeziehung der Völker: denn, wenn 
ein Volk oder eine Zeit dazu disponiert ist, so kann sich ein 
solcher bei den einfachsten Lebensverhältnissen und Zu- 
ständen in unglaublich kurzer Zeit entwickeln, wie in 
Griechenland. 
In einer Weise hätte die Kunst des Cinquecento 
doch einen Schritt weiter gemacht, indem sie nicht blofs 
zum Auge, sondern auch zum Gefühl sprach. Das ganze 
Altertum hätte z. B. nicht eine so liebenswürdige Idee 
dargestellt, wie die Mutterliebe (Madonnen) etc. Uns, die 
Wir gewöhnt wären, aus der Verhüllung nur den Kopf der 
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