Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Böcklins Technik
Person:
Berger, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1453288
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1454484
80 Vlll, Versuche in antiker Enkaustik. 
wurden stumpf, da erwärmte er die Rückseite über einem 
Kohlenfeuer, so dass das Wachsharz durch sie durchschmolz, 
und iiberzog damit das Bild auch von der Rückseite. Durch 
das Erwärmen wurden auch alle Farben auf dem Bilde 
wieder flüssig oder doch weich und liessen sich aufs Neue 
besser ineinander vetrreiben. Böcklin wiederholte dann 
das letztere Experiment, so oft besseres Verschmelzen oder 
Vertreiben nötig war. Wurde beim Malen die Spitze des 
Spatels zu kalt, so konnte er noch die hintere Seite des 
Eisens brauchen, Die gebrauchten Harze waren Kopal und 
sehr wenig Terpentin (Copal ä Pessence und Terpentin nur 
zum Auflösen des Wachses). Mit diesen zusammen schmolz 
und rieb er die Farbe und tat dann in das Farbtöpfchen zu 
jeder Farbe nur wenig Wachs, (etwa wie 6-8 Erbsen). 
Wird die Farbe im Töpfchen kalt, so muss sie sich hart 
anfühlen, wie später die Oberfläche des Bildes sein soll. 
Schmiert sie aber noch ein wenig oder färbt sie noch ab, 
so ist zuviel Wachs in der Farbe, und man muss noch soviel 
Harz und Farbstoff zusetzen, bis sie kalt geworden, sich 
fest anfühlt. 
Lockiges Haar, das über das Gesicht fällt, hat Böcklin 
dann mit gewöhnlichem Terpentin und mit dem Pinsel auf- 
getragen und durch Erwärmen des Bildes eingeschmolzen, 
wodurch es dem andern gleich und ebenso fest und unver- 
löschbar wurde". 
Ein paar Tage nachher (20. Oktober) ist abermals 
von dem gleichen Bilde die Rede. Schick berichtet 
(s. 185): 
"Böcklin nochmals über die Enkaustik seines Sappho- 
bildes. Es liesse diese Malerei nur breite Behandlung zu, 
und es sei gut, das Bild vor dem Malen ganz klar im Kopf 
zu haben. Man könnte wohl etwas wieder herunterschaben 
oder kratzen, aber das Aendern sei in keinem Bilde gut, auch 
in Oelbildern nicht, da dadurch immer das delikate Aeussere 
und die Harmonie des Bildes gestört werde. Man tut je- 
doch gut, wenn man sich einzelne Gegenstände wählt: 
Köpfe oder Brustbilder. Grössere liilder haben für diese
        

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