Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Böcklins Technik
Person:
Berger, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1453288
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1454334
Die 
antike 
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Jedem mit der Literatur über die antike Technik 
Vertrauteren wird es klar, dass Böcklin das von Vitruv 
(VII 9, 3) und Plinius (XXXllI, 122) übereinstimmend 
beschriebene Verfahren der Ganosis (oder Kausis) hier 
für seine Zwecke verwerten Wollte. Allerdings diente 
dieses Verfahren im Altertum vornehmlich zum Glätten 
von Wänden, hauptsächlich wenn sie mit kostbaren 
Farben (wie Zinnober) bemalt waren, aber auch über- 
haupt zur Glättung von Wandflächen, dann von Mar- 
morbildwerken und zum Schutze gegen atmosphä- 
rische EinHüsse bei der "Ganosis". Dass aber nur 
.„punisches Wachs" angewendet werden sollte, hat 
Böcklin, wie alle früheren Erklärer, unbeachtet ge- 
lassen. Alles übrige ist jedoch getreu nach der Vor- 
schrift befolgt: Ueberstreichen mit heissem Wachs, 
abermaliges Erwärmen und Abpolieren mit reinem 
Lappenfk) 
Dieses Verfahren sehen wir angewendet bei einem 
„Kopf seiner Frau" (Profil; vom Anfang der sech- 
1ziger Jahre), welchen Schick (S. 59) als „Enkaustischen 
Versuch" erwähnt: 
„Das heisst: Die Farben sind zuerst trocken gemalt, 
dann Wachsfirnis darüber und denselben eingebrannt. 
Weisser Grund und weissgelbe Beduine. Alle Farben, selbst 
der hier verwendete Karmin haben sich über drei Jahre 
lang trefflich gehalten." 
Das Bindemittel für die Farben ist hier nicht ge- 
nannt; mit dem Ausdruck "trocken gemalt" kann aber 
nur eine Art Tempera- oder Leimmalerei gemeint 
sein, die, wie im vorigen Abschnitte gezeigt wurde, 
1') Vergl. die Originalstellen des Vitruv und Plinius in meinem 
erwähnten Buch, Maltechnik des Altertums, S. 101 u. 102, 
Bergex, Böcklins Technik. 5
        

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