Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Böcklins Technik
Person:
Berger, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1453288
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1453993
Farbendisposition. 
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So malte er vielleicht ein rotes Gewand zuerst und 
dann suchte er dieses starke Rot durch andere, daneben 
gesetzte Farben "tot zu machen". Eine Farbe hatte im 
Bilde also gewöhnlich zwei Funktionen: sie musste die eine 
dämpfen und die andere heben. Und so ging eine Wechsel- 
wirkung seiner Farben durch das ganze Bild hindurch. In 
den meisten Bildern der Spätzeit lässt sich ein gewisses 
Farbenprinzip erkennen, das vielleicht das Resultat der 
obengenannten Wechselwirkung ist. Nämlich ein Bild hatte 
meistens drei Farbengruppen, rot, grün, blau (grün viel- 
leicht im Vordergrund, rot im Mittelgrund, blau im Himmel), 
oder rot im Vordergrund (oder unteren Drittel des Bildes) 
u_ s. f. Und in diesen Hauptgruppen kamen jedesmal die 
zwei anderen fehlenden Farben in kleineren Flächen hinein, 
z. B. in eine Wiese rote und blaue Blumen; in einen blauen 
Himmel grüne Blätter und rote Blüten usw. Dabei hat 
er aber fast immer vermieden, direkte Komplementärfarben 
nebeneinander zu stellen, vielmehr veränderte er eine dieser 
Farben um eine Nuance. Hatte er z. B. Rot und Grün 
nebeneinander zu stellen, su veränderte er Rot durch Blau 
in eine violette Nuance, oder er veränderte beide Farben 
um eine Nuance z_ B. bei Blau und Gelb: das Blau trieb 
er ins Griinliche und das Gelb ins Rote (Orange). Oft 
quälte er sich tagelang an einer einzigen Farbe, bis er die 
richtige Nuance für die betreffende Stelle gefunden hatte. 
In der letzten Periode liebte er es auch, in dreiteiligen 
Bildern sich auszusprechen. Er ging also noch einen Schritt 
weiter, nicht nur dass in einem Bilde Farbenmassen gegen- 
einander gesetzt wurden; er setzte sogar Bild gegen Bild. 
Um das Mittelbild z. B. recht schattig und dänimerig kühl 
erscheinen zu lassen, setzte er zwei sonnige Seitenbilder 
daneben (wie in einem seiner besten Bilder „Horch, es 
schallt der Hain von Liedern"), oder er machte es umge- 
kehrt wie in der nMariensagea, wo das lichte Mittelbild 
der thronenden Maria durch zwei dunkle Seitenbilder ge- 
hoben ist, durch die "Heimkehr vom Grabe" und die „Ge- 
burt Christi im Stall"   
        

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