Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Böcklins Technik
Person:
Berger, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1453288
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1454969
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Züricher 
Zeit. 
"Das ganze Unterfangen wurde ihm natürlich dadurch 
erschwert, dass er auf keiner handwerklichen Tradition und 
Atelierpraxis weiterbauen konnte, sondern alles gleichsam 
von vorn anzufangen gezwungen war. Daraus erklärt sich 
das teilweise Misslingen seiner ersten Versuche. Er erfuhr 
nämlich mit einer Emulsion von Eiweiss und Leinöl und 
mit einer anderen, von Kirschgummi und Leinöl, was später 
Berger ü) bei ähnlichen Versuchen auch erlebte; die Gummi- 
öltempera knäult beim Malen zusammen und wird so trocken, 
dass sie mit der gleichen Tempera nicht wieder übergangen 
werden kann, das heisst die Farbe perlt und tränt, der 
Untergrund nimmt sie nicht an, wie sie denn auf getrock- 
netem Oelgrund schlecht, auf feuchtem gar nicht haftet. 
Ganz anders die Eigelböltempera. Sie ist selbst auf 
auf nassem Oelgrund [d. h. mit Oel angefeuchtetem] leicht 
aufzutragen. Aber Böcklin besass, wie gegen das Nussöl, 
das sich zur Emulsion besser eignet, als das von ihm ver- 
wendete Leinöl, eine entschiedene Abneigung gegen das 
Eigelb. Und offenbar infolge dieser Abneigung hat er sich 
nie zur Eigelbtempera entschlossenf") 
gestattet zu erwähnen, dass diese Versuche ganz ohne Kenntnis 
der Böcklinschen vorgenommen wurden, Sie sind zuerst ver- 
öffentlicht worden in der Zeitschrift für bildende Kunst (Neue 
Folge, VI. Heft 8 u. 9, 1895), dann ausführlich beschrieben in der 
oben zitierten lll. Folge meiner Entwicklungsgeschichte der Mal- 
technik (München, 1897). 
i) Was hier folgt, bezieht sich auf die oftmals beobachteten 
Unterschiede zwischen der Gummi-Oeltempera und der Ei-Oel- 
tempera. Die oben angegebenen Mischungen hatte Böcklin 
übrigens meist viel später und zwar 1896 und 1897 verwendet. 
Vgl, den I. Abschnitt S. 5 und 6. 
M) Diese Angaben sind irrig. Böcklin hatte die „Kreuzab- 
abnahme" 1876 bereits mit Eigelb- und Oeltirnis-Emulsion gemaltt 
Die Abneigung gegen Eigelb ist darauf zurückzuführen, dass 
Eigelb einen Farbstoff enthält, der auf alle hellen Farben mehr
        

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