Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Böcklins Technik
Person:
Berger, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1453288
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1454949
126 
Züricher Zeit. 
Hergestellt wird die Oeltempera vermittels der soge- 
nannten Emulsion, weswegen sie auch Emulsionstempera 
heisst. 
Emulsion ist eigentlich eine künstlich bereitete Milch. 
Sie entsteht durch Zerreiben eines jeden ölreichen Samens 
mit wenig Wasser, ebenso durch Feinreiben fettartiger 
Stoffe mit klebrigen, wasserlöslichen, wie z. B. Gummi. 
Diese klebenden Stoffe, welche auch in den Samen ent- 
halten sind, gestatten nämlich, Fette und Oele so fein zu 
zerteilen, dass die einzelnen Tröpfchen sich nicht mehr zu 
vereinigen vermögen, sondern, durch Wasser getrennt, 
schweben bleiben. Die auf diese Weise entstandene 
Mischung ist weiss, wie jede innige Mischung farbloser 
StoITe, die das Licht verschieden brechen. 
In der Natur sind solche Mischungen sehr häufig; alle 
Milch der Säugetiere z. B. besteht aus einer Emulsion des 
Butterfettes mit Kasein. Ferner sind im Eidotter ein eiweiss- 
artiger Stoff, das Vitellin, und das Eieröl emulgiert. Das 
Vitellin besitzt, was für den Maler unter Umständen wichtig 
ist, eine solche emulgierende Fähigkeit, dass es ausser dem 
im Dotter enthaltenen Oel noch ein Quantum zu binden 
vermag, das ungefähr dem Gewicht des ganzen Eidotters 
entspricht. 
Man gewinnt eine Oelemulsion, indem man zum Beispiel 
einenTeil pulverisierten Gummi [arabicum] unter allmählicher 
Zugabe von 17 Teilen Wasser mit zwei Teilen Oel verreibt, 
Die Zahl der Oelemulsionen und damit diejenige der Oel- 
temperarezepte ist nahezu unbegrenzt, so dass neue Ver- 
bindungen und Varianten in grosser Menge möglich sind. 
Zu den Kennzeichen einer guten Oeltempera gehört das 
feste und das rasche Auftrocknen. Dieses rasche Auf- 
trocknen bildet einen ihrer Vorzüge, aber nicht den einzigen. 
Sie ermöglicht nämlich auch, da man die mit ihr ange- 
riebene Farbe sehr verdünnen kann, eine häufige Ueber- 
malung und ein rasches Arbeiten zugleich, weil man, wenn 
man die Temperaschicht mit einer Oel- bder Oellirnislasur 
überzogen hat, auf dieser Lasur, selbst wenn sie noch nass
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.