Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastik, Malerei und Reliefkunst in ihrem gegenseitigen Verhältnis
Person:
Schmarsow, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1450617
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1451777
Ilektonischer und 
plastischer 
Bestandteil 
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liehen Kopf nicht nur bestimmter herausgefordert, 
sondern auch die Gränze der Tektonik überschritten. 
Die einseitige Orientierung durch die Herübernahme 
des Vorn und Hinten vom Menschenkopf bringt für 
die wirklichkeitsgemässe Auffassung zunächst auch 
das Bedürfnis der {Drehbarkeit hervor, und insofern 
ist für den naiven Menschen der drehbare Topf aut 
seiner Stange "vollkommener", als der einseitig ge- 
richtete festsitzende Kopf der Statue auf dem ebenso 
nach vorn gerichteten Körper. Denn der naive 
Mensch weiss poetische Illusion und anschauliche 
Darstellung noch nicht zu trennen. 
Damit haben wir die beiden Bestandteile, aus 
denen ein solches Monument in der Mitte eines 
Platzes zu bestehen pHegt, den tektonischen und 
den figürlichen (im engern Sinne plastischen), 
Sockel und Statue, jeden für sich in ihrem innersten 
Gegensatz charakterisiert. Der Sockel sorgt, so lange 
er allseitig gerichtet, wie ein krystallinisches Gebilde 
behandelt ist, für die architektonische Auffassung 
des Platzes ringsum. Dieser stereometrische Unter- 
satz leistet aber ausserdem der Plastik einen Dienst, 
indem er ihr mcnschenähnliches Gebilde, das den 
Eindruck eines organischen Wesens gleich uns her- 
vorrufen will, doch über das Niveau des daher- 
kommenden Beschauers hinaushebt und damit grade 
jene naive Verwechslung des Standbildes mit Unsers- 
gleichen verbietet, die vom Kopfe wie vom Topfe 
die Drehbarkeit um die Vertikalaxe verlangt. Der 
Sockel weist also dem Beschauer den richtigen Stand- 
punkt an, der ihn zur ästhetischen Auf-
        

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