Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastik, Malerei und Reliefkunst in ihrem gegenseitigen Verhältnis
Person:
Schmarsow, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1450617
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1451488
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Plastik 
und 
Mimik 
Luft malt (I, 101), indem wir damit freilich hinter 
die Form der Äusserung zurückgriffen, die man als 
bildende Kunst wird anerkennen wollen. Aber der 
Ausgangspunkt aller ausdrucksvollen {Betätigung 
liegt zweifellos in der Mimik (I, 25). ]eder Ver- 
such konkreter Gestaltung aus bildsamem Stoff, 
d. h. die ersten dunkeln Regungen der Körper- 
bildnerin, sind ebenso als Hantierung des Menschen 
an dem ungeformten Substrat schon Gebärdung, 
d. h. Bestandteile mimischer Äusserung, und Aus- 
druck unsers innern Nacherlebens und llrlitgefiihles 
mehr, als Nachahmung der Dinge vom Standpunkt 
objektiver Beschaulichkeit. 
In dem Gesamtgebiet der Gebärdung und der 
Ausdrucksbewegung liegen auch die Antriebe zur 
künstlerischen Gestaltung, die allmählich zum plasti- 
schen Schaffen gedeihen. Dort sind sie aufs Engste 
verknüpft mit unserm Körpergefühl, das aus dem 
Innern nach Aussen dringend, nur die Extremitäten 
in Bewegung setzen, als physische Tätigkeit zu 
Tage treten kann. Die Übertragung der innern Er- 
regung auf den motorischen Apparat ist die Haupt- 
sache für alle schöpferische Betätigung, und erst 
im weitern Gange scheiden sich die Wege, ob die 
Körperbewegung allein den mimischen Verlauf nehme, 
oder ob sie zu konkreter Gestaltung, zur Hervor- 
bringung eines plastischen Gebildes übergebe. 
Die Kenntnis unscrs Leibes als organisches Ge- 
wächs, die Beobachtung unsrer Körperformen im 
Sinne eines Abbilds liegt viel ferner, als die Kennt- 
nis dieses Leibes nach seinen natürlichen Funktionen
        

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