Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastik, Malerei und Reliefkunst in ihrem gegenseitigen Verhältnis
Person:
Schmarsow, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1450617
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1451361
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und 
Malerei 
Plastik 
Schon in der Dämmerung wird die Hegemonie 
unsres Auges unsicher, und im Dunkel der Nacht 
verliert es sein Vortrittsrecht vollends. Da ist das 
Gemälde auf der Wand für uns überhaupt nicht vor- 
handen, das Ölbild im Rahmen nur eine Holztafel 
oder eine Leinwand, kein Bild. Beim Werk der 
Plastik aber bleibt das Gebilde des Künstlers auch 
ungesehen ein reales Ding, dessen Beschaffenheit 
durch andre Sinne wahrgenommen werden kann. 
Wir können seine Formen mit den Händen abtasten 
und herumgehend von allen Seiten die Existenz, den 
Standort und das Volumen des Körpers konstatieren. 
Ob wir dabei auch eine deutliche Formvorstellung 
gewinnen, ist eine andre Frage, die nur mit Hülfe 
der experimentellen Psychologie beantwortet werden 
kann. Wenn bereits Erinnerungsbilder des vorher 
gesehenen Gegenstandes mitspielen, liegt die Sache 
natürlich schon anders, als wenn dies nicht der Fall 
istl) Iedenfalls aber kommt bei dem vollrunden 
Körper der Wechsel des Standpunktes, die Orts- 
bewegung mit ihren Beiträgen ebenso zu Statten, wie 
dies bei einem Architekturwerk der Fall ist, in dessen 
Innenraum wir ausserdem noch tastend umher- 
schreiten können. Und daran eben liegt uns hier. 
So wenig eigentlich solche Orientierung über ein 
Kunstwerk im Dunkeln für die ästhetische Aufnahme 
I) Ganz ungenügend sind natürlich die Untersuchungen über 
die sozusagen passiven Erfahrungen bei der Berührung der Haut- 
oberßiiche unsers Körpers. Vgl. z. B. te Peerdt a. a_ O. 24f. Für 
die Kunstpsychologie kommt es auf die aktiven Äusserungen des 
Getasts
        

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