Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastik, Malerei und Reliefkunst in ihrem gegenseitigen Verhältnis
Person:
Schmarsow, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1450617
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1451141
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n 
und 
Malerei 
Plastik 
spannt. Die Wandelbarkeit und Ungebundenheit des 
poetischen Standpunktes, die ja Berge versetzt und 
durch die dicksten Mauern in das finstre Turm- 
verliess eindringt, wohin immer der goldene Faden 
der Fabel sich verliert,  sie überträgt sich bis 
zu einem starken Grade auf die primitive Darstel- 
lungsweise des Malers, nämlich soweit nicht allein 
die Fläche, sondern auch ihr Beschauer, mit dem 
nötigen Wechsel seines Standpunktes den Bildern 
gegenüber, der Vorstellung nachzukommen vermögen. 
Ihre Figuren geben keine Auskunft über die dritte 
Dimension als Körper; ihre Fläche bedeutet den 
Raum, ohne Rechenschaft über die ferneren Distanz- 
schichten, ohne weitere Kulissen auf der Bühne, ja 
ohne bestimmteren Hintergrund, als die Farbe der 
Wand, oder Himmelsblau, oder Goldton, oder ein 
Teppichmuster gar, die immer nur als Folie dienen 
für die Figuren, wol den Kontrast verstärken je 
nach dem Abstand des Beschauers, aber selbst keine 
Gegenstandsvorstellungen mehr erwecken sollen. 
Diese und ähnliche Phasen der dekorativen 
Wandmalerei, wo mit der Ortsbewegung des Be- 
trachters wie im Bauwerk selber gerechnet wird, 
oder der ornamentalen Buchmalerei, wo die Beweg- 
lichkeit und Lage der Blätter diesen Wechsel ge- 
währen, sind jedoch weit entfernt von der eigen- 
tümlichen Aufgabe der Malerei, die sie als 
selbständige Kunst erfasst. Mag auch die erstere 
sich zur monumentalen Raurnkunst, die andere zur 
intimeren Bildkunst entwickeln. Erst da reden wir 
vom specifischen Wesen einer Kunst, wo sie gerade
        

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