Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastik, Malerei und Reliefkunst in ihrem gegenseitigen Verhältnis
Person:
Schmarsow, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1450617
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1451102
20 
Plastik 
Malerei und 
die Gegensätze von Hell und Dunkel, also Farben 
in Linien oder in Flecken aufgetragen, nur noch im 
zweidimensionalen Sinn des Sehfeldes als Fläche. 
Dahin gehört das Gebiet der ägyptischen Wand- 
malerei wie das der mittelalterlichen Buchmalerei 
zu ihrem grössten Teile. Was sie auf der Bildfläche 
mit Strichen oder Klecksen hervorbringen, sind 
Zeichen, Anregungen für die Gegenstandsvorstellung. 
Was ist aber ein Gegenstand? Wie unsre 
Muttersprache selbst uns lehrt: etwas, das uns ent- 
gegensteht. Was entweder unserm Leibe als Körper 
im Raum, oder unsern vorgestreckten Tastorganen, 
oder nur unserm vorwärts gerichteten Blick, oder 
endlich gar der anschaulichen, über uns selbst hinaus- 
dringenden Vorstellung einen Widerstand leistet. 
Es kommt also auf ein dem Gefühl oder der Vor- 
stellung solches Widerhalts entsprechendes Zeichen 
an, das diese konstitutive Eigenschaft der Dinge im 
Bcschauer auszulösen vermag. Was wäre das ab- 
strakteste Zeichen dafür? Nicht der Punkt; er be- 
zeichnet nur den festen Ort in der allgemeinen Weite 
des Sehfeldes. Nicht eine Reihe von Punkten in 
wagerechter Richtung; denn wir schreiten über sie 
hin, wie unser Fuss über die Schwelle. Nur eine 
senkrecht aufsteigende Reihe von Punkten gewinnt 
die Intensität; nur die aufgerichtete Gerade, die uns 
gegenübertritt, bedeutet ein Ding an seinem Orte 
vor uns, wie unsersgleichen, die Körper rings um 
uns selber. Und die Grade dieser aufgetragenen 
Intensitätswerte, die Mehrzahl der übereinander ge- 
reihten Punkte giebt zugleich die Abstufungen für
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.