Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastik, Malerei und Reliefkunst in ihrem gegenseitigen Verhältnis
Person:
Schmarsow, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1450617
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1453211
Das Reich 
der Kunst 
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schritt, den die Raumdarstellung über die Körper- 
darstellung, oder gar die summarische Andeutung 
dieser durch Umriss und Silhouette, als Hieroglyphen 
der Gegenstandsvorstellung, kurz und schlagend aus- 
gedrückt werden. Den nämlichen Verdeutlichungs- 
wert allein beansprucht die Formel für das Gebiet 
der Poesie, wo das Überwiegen des Lautlichen oder 
Tonelements natürlich die Neigung zum reinen Ge- 
fühlsausdrtlck, d. h. das Lyrische, ja das Eindringen 
musikalischen Strebens bedeutet, während die Hege_ 
monie der Gebärdung, des Motorischen, der Akti- 
vität, auch den Charakter der Dichtung dem Epischen 
zutreibt, das auf der ausschliesslichen Bevorzugung 
des Mimischen beruht, da wir als Gebiet der Mimik 
alle ausdrucksvolle Betätigung des Menschenkörpers 
verstehen. Doch leuchtet von selber ein, dass im 
Gesamtreich der geistigen Vorstellung, WO das un- 
sichtbare lnnenleben regiert, jeder Versuch zur Ver- 
anschaulichung eine Gefahr mit sich bringt, durch 
dies Erleichterungsmittel mehr zu schaden als zu 
nützen,  eine Gefahr, der selbst unsre experi- 
mentelle Psychologie nicht entgangen ist, indem sie 
die „Dirnensioncn" des Raumes auf die „Charak- 
teristik" der psychischen „Erscheinungen"  lauter 
Ausdrücke der räumlichen Auffassung und deshalb 
der bildenden Künste  überträgt. 
Wäre dieser Missbrauch nicht zu fürchten, würde 
ich in das obige Schema auch die Farben des Spek- 
trums eintragen, und zwar das Feld der Architektur 
als Violett, das der Plastik als Blau, das der Malerei 
als Grün, auf der andern Seite das der Poesie als
        

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