Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastik, Malerei und Reliefkunst in ihrem gegenseitigen Verhältnis
Person:
Schmarsow, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1450617
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1453077
Zeichnung 
Malerei 
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tums, das den Kopf beherbergen könnte. Dafür 
giebt es WOl nur die eine Erklärung, dass die Pro- 
jektion des dreidimensionalen Kopfes auf die Fläche, 
wie die Skizze sie, noch so primitiv vollzogen hat 
oder bedeutet, auch weiterwirkt auf die leere weisse 
Umgebung. Da diese aber tatsächlich nicht das ge- 
ringste Symptom objektiv aufweist, so kann die Ur- 
sache nur in dem Zwang unserer Anschauungsform 
gesucht werden, die auch da die dritte Dimension 
ergänzt, wo sie nicht vorhanden ist. 
Aber die Malerei geht ja von diesen Anfängen 
weiter. Mit Hell und Dunkel ertäuscht sie nicht 
allein den Schein gerundeter Körper, sondern auch 
der Raumtiefe zu starker Illusion. Und für die Ab- 
stufungen der Farbstoffe, für die Kunstgriffe der 
Linearperspektive ist die Bildfläche geduldiger und 
empfänglicher als die bildsame Masse für die müh- 
samsten Operationen des Bildhauers. Mit den zarte- 
sten Nuancen der Arbeit eröffnet sich die ganze 
Weite des Horizonts; der Bildraum vertieft sich in 
die Ferne, wie es das gewagteste Tiefrelief nicht 
annähernd erreichen kann. Erst dadurch lernt die 
Kunst der Malerei selber ihr eigenstes Problem in 
seinem rechten Sinn und Umfang verstehen, den 
Zusammenhang zwischen Körpern und Raum, die 
sichtbare Einheit zwischen den Dingen dieser Welt, 
das Walten der durchgehenden Abhängigkeit aller 
Teile vom Ganzen, eben eine Ansicht dieser Weite, 
ein Weltbild zu geben, wie es weder die Architektur 
noch die Plastik vermögen, und uns so das Allgefuhl zu 
vermitteln, das uns erhebt, indem es uns entkörpert.
        

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