Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastik, Malerei und Reliefkunst in ihrem gegenseitigen Verhältnis
Person:
Schmarsow, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1450617
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1453064
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Dekoration 
Reliefanschauung und 
Körper selbst einen Teil des malerischen Problems, 
und nicht allein die Darstellung des Raumes, nur 
dass Beides nicht in kubischer Realität, sondern als 
Augenschein auf der Malfläche hervorgebracht werden 
soll. Weite Strecken im Reich der Malerei, als ent- 
wickelte Kunst schon, scheinen nur zu beweisen, 
dass auch hier die Reliefanschauung der Schlüs- 
sel all ihrer Erfolge sei. 
Doch dem ist nicht so; dieser Schlüssel liegt auch 
hier nicht in der sinnlichen Wahrnehmung, sondern in 
der Vorstellung, oder in der Organisation des mensch- 
lichen lntellekts, die auf Entwicklung der räumlichen 
Anschauungsform ebenso wie auf die der zeitlichen an- 
gelegt ist. Man denke sich einen Menschenkopf mit 
den einfachsten Mitteln nur soweit auf die weisse 
Fläche, eines Papiers etwa, skizziert, wie es grade 
hinreicht, die Erkennung zu gewährleisten, also 
beim Beschauer unter Unsresgleichen die Gegenstands- 
vorstellung auszulösen, so sieht dieser nicht allein 
den Kopf in der gegebenen Ansicht plastisch ge- 
rundet, obgleich das Bild flach ist, sieht diese ge- 
wohnte kubische Formvorstellung in die Fläche 
hinein, sondern der Rest des weissen Blattes be- 
deutet auch das zugehörige Raumvolumen, ja nicht 
der einen Hälfte des kugligen Kopfes, die gezeigt 
Wird, allein, sondern auch der andern nicht sicht- 
baren Hälfte dahinter. Die geringste Andeutung des 
Schattens, das leiseste Zeichen einer Modifikation 
des weissen Blattes durch den Kopf sei vermieden; 
trotzdem glaubt der Beschauer an den Schein, den 
nicht vorhandenen, des erforderlichen Raumquan-
        

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