Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastik, Malerei und Reliefkunst in ihrem gegenseitigen Verhältnis
Person:
Schmarsow, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1450617
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1453025
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Reliefanschauun g und Dekoration 
völlig durchorganisierten Gebilden romanischer Bau- 
skulptur nicht zu reden. Die Kirche anerkennt ja 
das Einzelwesen überhaupt nur als abhängigen Be- 
standteil, als einverleibtes Glied des grossen Gottes- 
reiches. Mit der Entwöhnung von diesem Princip 
erst erschliesst sich auch der Weg zur selbständigen 
Bedeutung des Individuums wieder, die der Grieche 
von seinem Gott, vom geringsten Götzen, wie für 
sich selber voraussetzt und als erstes Erfordernis 
einer Person zu sehen Verlangt. Wie eng reihen 
sich noch die gotischen Nischen am Campanile zu 
Florenz mit Donatellos Statuen darin! Wie Weit 
wehren sich diese gegen den Zusammenhang, unter 
dem sie der Blick begreifen will, oder wie abhängig 
sind sie schon im Gedanken noch, im Grundmotiv, von 
weitergehender Beziehung? Erst an Orsanmichele" 
rücken die Nischen weiter von einander, so dass wir 
kaum noch mit einem Blick mehrere zugleich um- 
spannen; sie bilden sich, als Raumöffnungen in der 
wuchtigen Masse gedacht, zu selbständigeren Taber- 
nakeln aus und bereiten so den eigenen Raum auch 
für die Statue darin. Aber welch ein Weg von der 
Bedingtheit des Täufers Johannes von Lorenzo Ghiberti 
bis zur Wucht des selbstbewussten Wertes im Auf- 
treten eines ganzen Mannes, wie der Marcus des Dona- 
tello! Freilich, sie alle stehen gegen die Rückwand 
ihrer Nische, die sich als solche geltend macht, oder 
gegen den Schattenraum ihrer Tiefe, und wir fragen 
unwillkürlich im Erfassen des Motivs auch nach der 
Situation, die es veranlasst. Und Verrocchios Gruppe, 
Thomas und Christus, will sich freilich mit ihrer
        

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