Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastik, Malerei und Reliefkunst in ihrem gegenseitigen Verhältnis
Person:
Schmarsow, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1450617
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1452827
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Reliefanschauung und 
Dekoration 
polis, zum Kapitol, zur Walhalla. Die Säulen auf 
der letzten Stufe, dem Stylobat selber, sei es mit 
Fussplatte und Wulst oder ohne sie in einfacher 
Ausladung des dorischen Schaftes nach unten,  
sie beweisen, dass hier die Kurvatur des Übergangs 
vor dem entschieden senkrechten Aufsteigen zur Höhe 
Wirksam genug waltet. Wo statt der Säulen, dieser 
eminent plastischen voll ausgerundcten Bauglieder, 
dagegen die massive Mauer aufsteigt, wie am Unterbau 
des Mausoleums von Halikarilass oder der Altarstätte 
von Pergamon, da bietet die Wandfläche, wol gar durch 
Stufengang daneben erstrecht herausgefordert, eine 
Zone des Anlaufs für unsern Blick, der in vorquellen- 
den Formen nach unten, in zurückweichenden nach 
oben seinen bildnerischen Ausdruck sucht, und ent- 
weder in analogen Kurven tektonischer Profile oder 
vollends in plastischer Gestaltung befriedigt wird. 
Jemehr wir durch die leise Neigung unsres Augen- 
paares nach abwärts dazu kommen, den Erscheinungen 
dieser Sockelregion sozusagen auf den Kopf zu sehen, 
da nähert sich dieses Sehen der abtastenden Prüfung 
ihres Volumens, die das Vorhandensein dreidimen- 
sionaler Körper ausser uns konstatiert. "Vorhanden 
sein" heisst im ursprünglichsten Sinne unsrer Mutter- 
sprache ja „vor Handen sein", d. h. in greifbarer 
Nähe, im Umkreis der Tastregion. 
Grade im untersten Streifen des monumentalen 
Raumkörpers dicht über dem Fussboden liegt also 
ein Bereich für die Gestaltung, wo ihr die mächtig- 
stenAssociationen mit den Erfahrungen unsres eigenen 
Leibes entgegenkommen, wo überall die Analogieen
        

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