Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastik, Malerei und Reliefkunst in ihrem gegenseitigen Verhältnis
Person:
Schmarsow, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1450617
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1452765
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Die 
Relief kunst 
Hier stellen sich auch im Fortgang der histo- 
rischen Entwicklung alle Folgerungen ein, die sich 
unter der Herrschaft der Raumperspektiire ebenso für 
die körperlichen Bestandteile ergeben: die Ver- 
kleinerung ihres Mafsstabes schon im Vordergrund, 
die Gleichstellung der organischen Geschöpfe mit 
den Baugliedern der Architektur oder mit andern 
Gegenständen, die zur Bezeichnung des Schauplatzes, 
der umgebenden Welt dienen. Nur dieses Tief- 
relief entspricht also allen Bedingungen und allen 
Anwartschaften des Fernbildes, wie es unser Seh- 
feld eröffnen mag. 1) Aber es setzt sich im Inter- 
esse der „Bildvorstellung" auch über die letzten 
Rücksichten auf annähernde Übereinstimmung mit 
der Körperform in natura, besonders in der Dicke, 
vollends hinweg. Ebendeshalb haben alle Verehrer 
des klassischen Reliefs der Griechen stets Einspruch 
dagegen erhoben, und auch Hildebrand sollte wol 
vor dieser Konsequenz seines Princips zurück- 
schrecken. 
Eine ganze Entstehungsgeschichte dieses male- 
rischen Tiefreliefs aus verschiedenen Anläufen stellt 
uns die Reihe von zehn "Erzbildern" an der Porta 
del Paradiso von Ghiberti am Baptisterium zu Florenz 
vor Augen. Ein weiteres lehrreiches Beispiel sind 
die Kanzelreliefs von Benedetto da Majano, die wir 
sogleich eingangs erwähnten. Diesseits der Alpen 
I) Ob diese Art des Tiefrel-iefs aber die Forderungen erfüllt, 
die Hildebrand mit der "einheitlichen Tiefenvorstellung" in der 
Reliefanschauung vom entfernten Standpunkt geleistet glaubt (S. 67), 
das ist eine andre Frage.
        

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