Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastik, Malerei und Reliefkunst in ihrem gegenseitigen Verhältnis
Person:
Schmarsow, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1450617
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1452510
Das Reich 
Plastischen und 
des 
Bildlichen 
des 
161 
Schauer, und brachte sie dem damals Lebenden erst- 
recht, noch immer in den Umkreis des Selber-Er- 
lebtcn. Unzweifelhaft ist hier ein weiterer Schritt 
zum malerischen Standpunkt getan. 
Aber,  bei der wechselnden Unbestimmtheit 
im Abstande, die durch das subjektive Ermessen und 
durch die objektive Beschaffenheit des Platzes un- 
vermeidlich wird, kann erst in ziemlicher Höhe über 
dem Boden die Erscheinung des Bildes in optischer 
Reinheit wirken und von der Einmischung unsrer 
Tastgefühle sozusagen frei gehalten werden. 
So sondern wir in einem Innenraum, je mehr 
wir täglich darin verkehren, die untere Region der 
Wände durch Holzvertäfelung oder andre mehr oder 
minder plastisch-tektonische Behandlung von der 
oberen Region, wo die bildliche Anschauung allein 
regieren soll. Auch dafür sind die Stanzen des 
Vatikans lehrreich, besonders das Zimmer des Burg- 
brands, wo die Sockelfiguren durch ihre plastische 
Malerei gradezu den Raum verengern. Ganz unten 
am Boden ist ja der Platz für die Postamente der 
Statuen und andre tektonische Körper, die vor der 
Wand stehen oder aus ihr hervortreten,  d. h. 
eine eminent plastische Region, soweit es das Gefühl 
des Besuchers oder gar Bewohners ihr gestattet sich 
auszudehnen. Es ist der Bannkreis des Gestaltungs- 
raumes für kubische Gebilde gleich uns selbst. Hier 
blicken wir den Sachen, schon durch die natürliche 
Stellung unsres paarigen Sehorgans veranlasst, sozu- 
sagen zuerst auf den Kopf, sie nach ihrem Ver- 
hältnis zu uns nach Höhe, Umfang und Abstand zu 
Schmarsow, Plastik, Malerei u. Reliefkunst. .1 I
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.