Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastik, Malerei und Reliefkunst in ihrem gegenseitigen Verhältnis
Person:
Schmarsow, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1450617
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1452416
Gemälde und Relief 
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Der Gegensatz der Bedingungen zwischen Ma- 
lerei und Plastik in diesem Fall ist klar: das ge- 
rahmte Bild ist selber verhängbar; aber es Weist 
dem Beschauer stets,  je bestimmter die Modellie- 
rung der Gestalten durch Hell und Dunkel oder die 
perspektivische Darstellung des Raumes durchgeführt 
sind, desto zwingender  seinen Standort an, von 
dem es als Ganzes betrachtet sein will. Das Relief 
dagegen hat als tektonischer Bestandteil einer Wand 
seinen festen Standort, während der Beschauer seine 
Stelle wechselt, wie das Tageslicht mehr oder min- 
der erheischt;  je stärker die Modellierung, je 
höher das Relief, desto abhängiger ist er von der 
Beleuchtung am Orte, je flacher das Relief, je „durch- 
gängiger es das Licht auffangt", desto freier auch 
die Verschiebbarkeit des Standpunktes, und zwar 
nicht allein in der Parallele zum Bildwerk, sondern 
auch in der Distanz. 
Damit sind wir zu einem neuen Vxlidcrspruch 
zu Hildebrand geraten, der auch für das Relief wie 
für das Gemälde verlangt, dass alle räumlichen Be- 
ziehungen und alle Formunterschiede von einem 
Standpunkte aus, sozusagen von vorn nach 
hinten abgelesen werden. 
Was wir von Rafaels Komposition in Relief- 
übertragung behauptet haben, gilt unseres Erachtens 
auch von dem klassischen Relief der Griechen, mit 
dem wir sie verglichen. Dagegen giebt es in der 
Geschichte der Reliefkunst, sowol im Altertum wie 
in neueren Zeiten Beispiele genug, in denen die F or- 
derung Hildebrands, d. h. die Anweisung eines festen
        

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