Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastik, Malerei und Reliefkunst in ihrem gegenseitigen Verhältnis
Person:
Schmarsow, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1450617
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1452403
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Relief  Anschauung 
sehene Natur" als die Ferne dahinter. Nehmen wir 
diesen landschaftlichen Hintergrund vollends weg und 
beschneiden den Karton oben so weit, dass die Höhe 
der Hauptfigur das Mafsgebende wird für die neben- 
einander gereihte Schar der jünger, so ist damit das 
malerische Interesse sozusagen auch beschnitten und 
das plastische gewinnt die Überhand, zumal wenn wir 
von dem poetischen Interesse an dem dargestellten 
Vorgang und an der Charakteristik der Individuen 
noch ganz absehen. Wir können auf diese Reihe von 
menschlichen Körpern das Experiment mit den bei- 
den Glasplatten vorn und hinten anwenden und sagen, 
diese Figuren leben in einer einheitlichen Schicht 
von gleichem Tiefenmafs, und dieses entspricht un- 
gefähr dem realen Tiefenmafs der Figur Christi. 
Das heisst, das Gemälde ist in die klassische Relief- 
vorstellung übertragen. Da diese Gestaltenreihe je- 
doch gemalt ist, d. h. Schatten und Licht in fester 
Verteilung darbietet, so kann sie befriedigend für 
unser Auge nur für den bestimmten Standpunkt 
wirken, für den sie berechnet ist.  
Denken wir uns dagegen die nämliche Gestalten- 
reihe plastisch ausgeführt, etwa in Marmor- oder Stuck- 
relief, so enthält sie nicht selbst mehr die bestimmte 
Verteilung von Licht und Schatten, sondern muss 
diese vom wechselnden Tageslicht erwarten, sei dies 
unter freiem Himmel oder unter der vorherrschend 
einseitigen Beleuchtung in einem Innenraum. je nach 
der stärkeren oder schwächeren Verschiebung, die 
im Verhältnis der Schatten und Lichter eintreten kann, 
wird auch der Standpunkt des Betrachters variabel.
        

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