Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastik, Malerei und Reliefkunst in ihrem gegenseitigen Verhältnis
Person:
Schmarsow, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1450617
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1452238
der 
Einheit 
Die 
GruPPe 
Verschlingung aller Körper, wo alle als Teile eines 
Ganzen von einander abhängig und in ihrer Haltung 
gegenseitig bedingt erscheinen, wäre die letzte Kon- 
sequenz; aber sie enthält auch die grösste Gefahr, 
dass die Körpervorstellung, die klare Rechenschaft 
über die ganze Gestalt des Einzelwesens, die der 
Plastiker verfolgen muss, bei diesem körperlichen 
Zusammenhang nicht mehr zu ihrem Rechte komme. 
Die Ringergruppe in Florenz wäre darnach eine der 
vollkommensten Lösungen dieses plastischen Pro- 
blems. Die Verschlingung der Körper hat auch 
Lionardo von der Gruppenbildung gefordert. Aber 
es ist bezeichnend, dass die zahlreichen Darstellun- 
gen der Madonna, der heiligen Familie oder S. Anna 
selbdritt, die wir ihm selbst oder seinem Einfluss 
auf die italienische Kunst am Anfang der Hoch- 
renaissance verdanken, doch fast ausnahmslos ge- 
malt sind, nur selten einmal in Rundplastik auf- 
treten,  Beweis genug für die Schwierigkeit. Im 
Gemälde allerdings wirkt solche Gruppe in eminent 
plastischem Sinne. 1) 
Das Princip der möglichsten Annäherung an die 
organische Einheit verbindet sich in diesen Leistun- 
gen der Hochrenaissance, zu denen ja auch Rafaels 
I) Ebendeshalb ist es aber ein Irrtum, wenn man sich Li0- 
nardos Karton zur Reiterschlacht, also ein Breitbild vom Umfang 
der „badenden Soldaten" von Michelangelo, allein mit dem Knäuel 
von Reitern und Fussgängern im Kampf um eine Fahne ausgefüllt 
denkt. YVas die Überlieferung bewahrt hat,' ist nur die Mittelgruppe, 
der es an seitlichen Vermittlungen sicher nicht lgebrach. Vgl. Heft I, 
S. 57, wo allerdings „Austrag" statt "Ausdruck" gelesen werden muss.
        

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