Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastik, Malerei und Reliefkunst in ihrem gegenseitigen Verhältnis
Person:
Schmarsow, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1450617
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1452098
Wesen 
Plastik 
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Wir halten uns vorerst an den plastischen 
Künstler, der von der Körpervorstellung ausgeht. 
Es fragt sich, wie kann seine Auffassung der mensch- 
lichen Gestalt allein ganz natürlich, fast unmerklich 
in die malerische Anschauungsweise übergleiten? 
Dem Schöpfer des isolierten Standbildes, wie 
wir es soeben betrachtet haben, liegt nur die Dar- 
stellung der menschlichen Körperform am Herzen. 
Die organische Einheit dieses selbständigen, der 
freien Bewegung teilhaftigen Geschöpfes Wiederzu- 
geben, und den Wert dieses körperlichen Daseins 
in seiner Unabhängigkeit festzuhalten, ist sein Ver- 
langen. Deshalb streift er Alles ab, was Notdurft 
und Nahrung unseres Leibes an Symptomen weiterer 
Zusammenhänge mit der umgebenden Natur und an 
Kennzeichen des inneren Stoffwechsels, der Ver- 
änderung und Vergänglichkeit mit sich bringen. Er 
bevorzugt das dauerhafte Material, um desto sicherer 
die volle Schönheit des Gewächses, sei es in dem 
Reiz der knospenden Jugend, sei es in der Blüte 
der eben erreichten Vollendung, sei es in der Voll- 
kraft des Lebenskampfes, heraus zu retten aus dem 
unaufhaltsamen Wandel aller Kreatur und aus dem 
forteilenden 
Strom 
des 
Geschehens 
umher 
Deshalb 
versteht es sich für das gesunde und einfache Ge- 
fühl ganz von selbst, dass dies Einzelwesen in glück- 
lichster Befriedigung dem Künstler eine Welt für 
sich allein bedeutet, die nichts, garnichts mit einer 
wcitern Umgebung zu schaffen hat, sondern völlig 
auf sich selber beruht. Das Auge dieses plastischen 
Schöpfers kennt also keinen Raum, als den der
        

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