Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastik, Malerei und Reliefkunst in ihrem gegenseitigen Verhältnis
Person:
Schmarsow, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1450617
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1451999
Bildwerks 
Standort des 
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die Säule oder ein anderes tektonisches Gebilde, 
nur dass sie nicht als dienendes Glied sich der Ord- 
nung des Aufbaues selber einfügt, sondern frei auf- 
ragend auch etwas für sich bedeuten will. Aber 
die Wahrzeichen des organischen Geschöpfes, der 
Menschengestalt mit all ihrem Anspruch an das, 
lebendige Gefühl, sind doch ein neuer Faktor, der 
diese Zutat zu seinem Raum in die Kategorie des 
Bewohners treten lässt, und da begegnet sich die 
Auffassung mit derjenigen der plastischen Kunst. 
Das Standbild des Menschen, oder gar eines Gottes, 
misst den Raum nach dem Mafsstab seines eigenen 
Körpers. Man denke sich den olympischen Zeus, 
wie er in seinem Tempel tronte, und daneben die 
vornehme Römerin oder einen von den Komödien- 
dichtern auf ihrem Stul im zugehörigen Sale, und 
versuche die Bildwerke miteinander auszutauschen, 
um auch des Unterschieds inne zu werden, den ihre 
XNirkung auf die Räumlichkeit mit sich bringt. Das 
liegt aber nicht allein an Kolossalität und Normal- 
grössc, sondern auch an der dynamischen Äusscrung 
des Charakters. 
In dem Mittelpunkt oder überhaupt in der Rich- 
tungsaxe des Innenraumes vertragen wir ein tekto- 
nisches Gebild mit seiner allseitigen Richtung oder 
unpersönlichen Neutralität auch eher, als eine Statue 
von einigermaßen menschlicher Proportion. Und 
zwar wird dieses Gefühl um so stärker sich geltend 
machen, je mehr der Raum zum lebendigen Ver- 
kehr, zum Wohnen gar bestimmt ist. Ward die 
Halle selbst für die Lebenden geschaffen, so müssen
        

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