Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastik, Malerei und Reliefkunst in ihrem gegenseitigen Verhältnis
Person:
Schmarsow, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1450617
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1451797
Die 
Auffassung 
plastische 
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Nahrung der geborenen Kreatur, wenn die Vor- 
stellung nun aus der Höhe des Sockels hinaufsteigt 
auf die Basis der Figur und sich hineinversctzt in 
diese menschliche Gestalt. Dann ist die Gefahr 
allzu vollständiger Illusion überwunden, die Ver- 
wechslung mit der alltäglichen Menschennatur für 
dies Abbild abgestreift; immer aber ist es ein orga- 
nisches Gewächs nach unserm Ebenbilde, in das die 
Vorstellung eingeht. Das heisst: der ästhetische 
Standpunkt, den wir mit diesem Akt der Selbstver- 
setzung einnehmen, ist der plastische Stand- 
punkt. 
Die plastische Auffassung allein erschliesst uns 
die körperliche Entfaltung von der Mittelaxe aus, 
die durch den Kopf geht und das aufrechte Rück- 
grat darunter; sie lässt uns die Stellung der Glied- 
mafsen zu dem Rumpfe kraft unsers eignen Körper- 
gefuhls nachfühlen, und verstehen, was grade dieser 
festgehaltene Bewegungskomplex bedeutet, den die 
Künstlersprache das Motiv der Statue zu nennen 
pflegt. Unter dem plastischen Gesichtspunkt herrscht 
hier auch die organische Symmetrie mit der be- 
stimmten Unterscheidung des Vorn und Hinten, 
zwischen denen die beiden Seiten, links und rechts, 
vermittelnd die organische Einheit aufrechterhalten, 
als deren Wahrzeichen uns am sichtbarsten jeden- 
falls der Kopf zu sprechen scheint. Die plastische 
Auffassung der Gestalt als organisches Gebilde be- 
ruhigt sich aber, jemehr sie von dieser summarischen 
Anerkennung der wirksamsten Kennzeichen zu der 
Versenkung in den ganzen Körper übergeht und die
        

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