Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Anton Graff
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1440996
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1442076
Erhaltene Portraits. 
Entstehung und Schicksale des Bildes hat Graff selbst später ausführlich 
berichtet. Minna Stock war nach seiner Erzählungl) während ihrer Brautzeit 
von wunderbarer Schönheit: "eine Gestalt wie Minerva, mit reichem schwarz- 
gelockten Haar, feurigen dunklen Augen voll Geist und Leben, einem bräun- 
lichen Teint durchschimmert von Rosenroth, Stirn, Nase, Mund, Kinn von 
den edelsten Formen und eine Büste voll und gerundet, es war zum Ent- 
zücken. Von der seltenen Schönheit ganz bezaubert, bat ich Demoiselle 
Stock mir das Vergnügen zu gewähren, sie zu malen. Ihr Vater, der Kupfer- 
stecher Stock, mein guter Freund, gab gern seine Einwilligung, und Minna, 
damals die verlobte Braut Körner's, freute sich darauf ihren Bräutigam an 
seinem Geburtstage damit zu überraschen. Noch niemals hatte ich ein Bild 
mit soviel Lust und Liebe gemalt wie dieses, nie war mir eines besser ge- 
lungen, noch wird mir eines wieder so gelingen, ich hatte meine Freude 
daran. Noch war das Oel nicht getrocknet, aber Minna brachte das noch 
nicht gelirnisste, noch nicht eingerahmte Bild zu ihrem Liebsten, der mich 
versicherte, er würde es geküsst haben, wenn nicht das Original ihm näher 
gestanden hätte. Doch das Lamento folgte auf der Stelle. Körner's Vater 
war Superintendent, und zwar ein strenggläubiger von dunkelster Färbung 
und schwer herabhangender Wolkenperücke! Als das glückliche Brautpaar 
ihm das Bild auf sein Zimmer bringt und dem Papa eine grosse Freude zu 
machen gedenkt, ruft er beim ersten Anblick mit Entsetzen aus: „ein 
Sündenconterfei! ein heidnisches Götzenbild! eine Venustochter ohne Scham 
und Scheu! Dergleichen werde ich weder vor meinen noch vor Euren 
Augen duldenll" Mag im Allgemeinen die grosse Anmuth und Schönheit 
einen bezaubernden Eindruck auf den frommen Mann gemacht haben, im 
Einzelnen aber der den züchtigen Busen nur leicht verhüllende Schleier unbe- 
queme Empfindungen erregt haben  kurzum, der hochpriesterliche Scharf- 
richter schnitt die Leinwand mit dem Federmesser aus dem Blendrahmen, 
legte das Bild wie einen Bogen Papier zusammen und gab es dem ver- 
stummten und erstaunten Sohne mit der strengen Weisung, ein so unchrist- 
liches Bild ihm nie wieder vor die Augen zu bringen. Erst hier in Dresden 
habe ich das über mein schönstes Bild verhängte Strafgericht erfahren. Wo 
dasselbe ein Ende genommen, konnten mir die lieben Körner's selbst nicht 
sagen. Mein Freund hatte es in dem Zustande, wie es der Vater zugerichtet, 
versteckt; bei dem bald darauf erfolgten Umzuge der Neuvermählten nach 
Dresden war es nicht wieder zum Vorschein gekommen, und Niemand weiss, 
wo es ein Ende genommen."  Im Jahre 1831, als nach dem Tode des 
Staatsraths Körner Friedrich Förster mit dessen Wittwe den Nachlass ordnete, 
kam das Bild, in einem Notenpacket verborgen, wieder zum Vorschein. 
und Leben. 
Hermann Kletke: Kunst 
Aus 
Friedr. 
Nachlass 
F örsteNs
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.