Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Anton Graff
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1440996
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1441815
und Tod. 
Lebensabend 
Charakteristik. 
das Höchste, was zu erreichen ist. Aber den Mittelpunkt des Interesses bildet 
doch stets der aus dem Clairobscur des Hintergrundes in schärfster Rundung 
herausgearbeitete Kopf. Und an diesem wieder sind die Augen mit den 
Brauen und der Nasenwurzel am sorgsamsten ausgeführt. 
Wo es das Format des Bildes gestattet, deutet Graff durch Anbringung 
charakteristischen Beiwerks oder durch die Wahl einer charakteristischen 
Situation auf den Stand des Dargestellten hin. Er malt sich selbst gewöhn- 
lich, wie er, den Kreidestift in der Hand, aufmerksam nach einem ihm Sitzen- 
den hinschaut. Den Kupferstecher setzt er an einen Tisch, auf welchem 
Kupferplatte und Grabstichel liegen. Der gelehrte Professor hat Bücher vor 
sich aufgestapelt oder steht lebhaft docirend auf dem Katheder, der Kunst- 
freund hält eine Zeichnung oder ein im Blendrahmen befindliches Oelbild, 
der Schauspieler spricht in einer seiner Glanzrollen.  
In Brustbildern legt er Alles in den Ausdruck des Kopfes. Und wie 
sehr er es verstand schon durch diesen den Stand und das geistige Wesen 
des Dargestellten vor Augen zu führen, das zeigt vielleicht am besten ein 
Blick auf die vortrefflichen Bilder des geistreichen Kunstmaecens Philipp 
Erasmus Reich in der Leipziger Universitätsbibliothek und seines treuherzigen 
aber geistig armen Bedienten Ioh. Sam. Nagel im dortigen Museum. 
Die Stellungen sind immer die einfachsten und natürlichsten, die man 
sich denken hann. Ist der Körper leicht nach links oder nach rechts ge- 
wandt, so blickt das Auge gerade auf den Beschauer; ist der Körper von 
vorn gesehen, so ist der Blick nach links oder rechts gerichtet. Selten sind 
Kopf und Körper gleichmässig dem Beschauer zugewendet oder gleichmässig 
im Profil gesehen. Nie findet sich die etwas manierirte von Van Dyck und 
auch wieder in neuester Zeit beliebte Stellung, wonach der Körper fast von 
hinten gesehen, der Kopf scharf nach vorn gewendet ist. Die Arme hängen 
entweder frei herab oder sie sind auf der Brust übereinander gelegt oder der 
eine hängt herab, während die Hand des andern in der vorn aufgeknöpften 
Weste oder der Brusttasche des Rockes verborgen ist. Bewegtes Emporheben 
der Arme iindet sich nur bei einigen Bildern von Schauspielerinnen. 
Die künstlerische Entwicklung, welche Graff durchmachte, fist gemäss 
seinem Thätigkeitsfelde eine beschränkte. In der ersten Periode, deren Ende 
etwa in's Jahr 1780 zu setzen ist, malt er fast nur Brustbilder; in dem ein- 
zigen Bilde mit ganzen Figuren  er selbst mit seiner Frau in der Winter- 
thurer Kunsthalle  sind die Personen nicht gruppirt sondern zusammen- 
geschoben, von den Armen der Frau der eine zu kurz gerathen, der andere 
verzeichnet. Der zweiten Periode (1780-1800) entstammen viele ganztigurige 
Bilder, und in seinem Familiengemälde von 1786 gibt er eine meisterhafte 
Gruppencomposition. In der letzten Periode (1800-1813) geht er  vielleicht 
in Rücksicht auf seine Augen  wieder mehr auf das Brustbild zurück.
        

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