Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Anton Graff
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1440996
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1441791
Lebensabend und Tod. 
Charakteristik. 
Bekannten des Verstorbenen unter Verbittung aller Beileidsbezeugungen bekannt 
und empfehlen uns ihrer Wohlgewogenheit. 
Dresden, den 24. Juni 1813. 
Carl Anton Graff, 
Caroline verw. Kaaz, geb. Graff". 
Mit diesen Worten theilte die Leipziger Zeitungl) auswärtigen Freunden 
die Trauerbotschaft mit. 
Ein zahlreiches Gefolge von Professoren und Schülern begleitete ihn zum 
Grabez) auf dem böhmischen Kirchhofe vor dem Pirnaischen Thore. Durch 
keinen Hymnus oder Nekrolog wurde er gefeiert. Bloss der "Freimüthige" 
von 1813 (N0. 132 p. 528) hat mit den trockenen Worten: "Dresden hat 
in diesen Tagen den Veteran der Dresdener Künstler, den wackeren Portrait- 
maler Professor Graff, einen Schweizer, in einem hohen Alter verloren" aus- 
wärtigen Künstlerkreisen seinen Tod gemeldet. Von der Kunstakademie wur- 
den im Jahre 1813 wegen der Kriegswirren keine Acten geführt. In einem 
Besoldungsreglement von 1814 findet sich hinter GrafFs Namen der einfache 
Zusatz: ist verstorben. Den Ort, wo er ruhte, kann jetzt Niemand mehr an- 
geben. Als im Jahre 1859 der Johanniskirchhof rasirt wurde, gehörte Graff 
nicht zu denen, welche für würdig erachtet wurden auf einen andern Fried- 
hof übertragen zu werden. Wie sein Grab, so sind auch seine directen Nach- 
kommen spurlos von der Erde verschwunden: seine Enkelin ist vor wenigen 
Jahren im Altweiberhospital in Dresden gestorben.  
Die Zahl der Bilder, welche Graff in seinem Leben malte, hat Ulrich 
Hegner in seiner Biographie überliefert. Er kannte ein grosses Buch, in 
welchem Graff von Anfang an alle seine Arbeiten mit den Namen der ab- 
gebildeten Personen und den Preisen aufgezeichnet hatte. In demselben 
befanden sich: von 1756-66 in Augsburg, Regensburg etc. gemalte Portraits 
297, von 1766 bis Januar 1813 in Dresden gefertigte Originalgemälde 943, 
Copien 415, zusammen 1655 gemalte Bilder. Dazu kamen noch 322 Zeich- 
nungen mit Silberstift. Wahrlich eine Zahl, wie sie nicht leicht aus der Hand 
eines andern Künstlers hervorgegangen ist. 
In schroffem Gegensatze stehen diese Gratf'schen Portraits zu denjenigen, 
wie sie 30, ja zo Jahre vorher gang und gäbe waren. Damals war bis 
in die Familie die Sucht des Individuums, in seinem Kreise der König zu 
sein, gedrungen. Demgemäss hatte jeder biedere Leipziger Bürger sich nicht 
als solchen sondern als Fürsten malen lassen. Sich selbst in grosser Gala, 
mit pomphaften Mienen, feierlich, als ob er dem Beschauer Audienz gäbe; 
seine Gemahlin in Seide, Gold und Spitzen; sie hat einen grossen Fürsten- 
1) 1813, No. 
2) Hegner a.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.