Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Anton Graff
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1440996
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1441772
und Tod. 
Lebensabend 
Charakteristik. 
zunehmenden Schwäche seiner Augen. Schon im Jahr 1803 scheint er ein- 
mal am grauen Staar gelitten zu haben, aber glücklich operirt worden zu 
sein. Erst jetzt fingen seine Augen an ganz matt zu werden. Trotzdem hat 
er noch  zuletzt nur mit Hilfe eines grossen Brennglases  Portraits und 
Copien gemalt. An Silberstiftzeichnungen war nicht mehr zu denken, dagegen 
entstammen seine schönsten Tusch- und Bleistiftzeichnungen diesen letzten 
Jahren. Man bekommt einen wehmüthigen Eindruck, wenn man die letzten 
Portraits der Reihe nach verfolgt. Sie sind mehr als alle früheren mit Ge- 
schmack und Freiheit behandelt, aber sie werden von Jahr zu Jahr flüchtiger 
und schwächer in der Farbe, sie sind, wie Hegnerl) treffend sagt, mehr mit 
den Augen des Verstandes als mit leiblicher Sehkraft gefasst, Conturen und 
Hintergrund schwimmen oft gänzlich in einander über. 
Nocheinmal, zum vierten Male seit seiner Berufung nach Dresden, machte 
Graff eine Reise nach der Schweiz. Er hatte sein Vaterland seit 14 Jahren 
nicht gesehen und bat sich am 17. October 1810 einen Urlaub von 6 Monaten 
zu einer Fahrt dahin aus. Das Actenstück, worin dem Hofcassirer Büttner 
angezeigt wird, dass Graff während dieser Zeit das völlige Tractament zu 
verabfolgen sei, ist das letzte auf den Meister bezügliche, das sich in den Acten 
der Kunstakademie vortindet. Er hat sich von Anfang November bis Ende 
April 1811 in der Schweiz aufgehalten. In Winterthur wohnte und verkehrte 
er hauptsächlich im Hause seines schon oben erwähnten Neffen Jacob Rieter 
zur Tapferkeit. Fast blind, wusste er sich nur durch Tasten in den Zimmern 
zurecht zu finden. Mit schwerem Herzen kehrte er heim. Es waren keine 
freudigen Ereignisse, die ihn in Dresden noch erwarteten. 
Vierzig Jahre lang war er in glücklicher Ehe verheirathet gewesen. Am 
26. April 1812 wurde ihm seine Frau, 58 Jahre alt, durch den Tod ent- 
rissen. 
Zwar wurden ihm in demselben Jahre auch mehrere Ehrenbezeugungen 
von auswärts her zu Theil: er wurde von der kaiserlichen Akademie in Wien 
und von der Akademie der bildenden Künste in München zum Mitgliede ge- 
wählt. Aber er war zu betrübt, um sich über die ihm bereitete Vergünstigung 
von Herzen freuen zu können. „Vor einem halben Jahre", schrieb er an einen 
Freund im Vaterlande, dem er einige Gemälde überschickte, „that mir die 
Wiener Academie die Ehre an mich zu ihrem Mitgliede zu erwählen, und vor 
einigen Wochen die Münchener Akademie auch. Es kommt nun zu spät, 
meine Künstlerlaufbahn ist nun abgelaufen". 
Das Schlimmste war, dass es ihm nicht einmal vergönnt war in Ruhe 
seine letzten Tage zu verleben: Dresden wurde noch der Mittelpunkt des 
Kriegslebens. Zuerst hat Graff mit reger Theilnahlne alle Ereignisse verfolgt. 
Leben 
und Charakteristik 
Anton 
GrafPs.
        

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