Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Anton Graff
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1440996
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1441633
Hagedorrfs Tod (1766- 
Von der Ankunft bis 
Bause hat mir letzthin ein kleines Portraitchen gesandt, welches er nach Herrn 
Graff gegraben hat, aus welchem ich sehen kann, dass seine Köpfe voller 
Weisheit sein müssen, welche sich auf einer festen Zeichnung und sichern 
Anwendung der Farbe gründet. Ich überdenke dieses Alles und mehreres 
mit Lust, weil ich muthmaasse, dass grosse Portraitmaler heutzutage eine rare 
Sache in Deutschland sein müssen. Die Kunst dabei ist die Natur auf der 
That zu ertappen. Nur ein genauer Beobachter kann sich diese Kunst ge- 
läuiig machen. Ich glaube, dass Herr Graff dieser Beobachtung sehr fähig 
sei. Ich muss diesen Künstler lieben, 0b ich gleich die Ehre nicht habe ihn 
zu kennen, nur weil er nicht allein ein sehr geschickter Mann sondern auch 
im Umgange liebenswürdig sein 5011"?) Und ausser in dem Schreiben an 
Wille hat Hagedorn bald darauf auch in einem ofiiciellen Bericht über die 
Akademie die hohe Meinung, die er von Graff hatte, ausgesprochen. 
Unter diesen Umständen kann es nicht Wunder nehmen, dass er bald 
der Modemaler in Dresden wurde und es in den Kreisen des hohen Adels 
zum guten Ton gehörte sich von ihm darstellen zu lassen. Sein Thätigkeits- 
feld war um so grösser, da er sich nicht auf die Hauptstadt beschränkte 
Sondern, wie er es schon von Augsburg aus gewöhnt war, auch von Dresden 
aus die Städte der Umgegend aufsuchte. 
Im Frühjahr 1769 reiste er zum ersten Male nach Leipzig, das am Ende 
des achtzehnten jahrhunderts nicht nur der Mittelpunkt des litterarischen 
sondern auch ein Hauptpflegepunct künstlerischen Lebens war. Dort war es, 
wo er mit dem Manne zusammentraf, der gewissermassen als sein Agostino 
Chigi zu bezeichnen ist: dem Buchhändler Philipp Erasmus Reich. 
Derselbe war am I. December 1717 zu Laubach in der Wetterau ge- 
boren, wo sein Vater grällich Solms'scher Leibarzt war. Aus Neigung hatte 
er in Frankfurt aIM. den Buchhandel erlernt und dann auf einer Geschäfts- 
reise nach London seine vielseitigen Kenntnisse bereichert. Nachdem er in 
Stockholm Vorsteher einer Buchhandlung gewesen war, kam er als Geschäfts- 
führer in die Weidmann'sche Buchhandlung in Leipzig. Diese rettete er durch 
kluge Einrichtungen vom Verfalle und brachte sie durch wohlüberlegte Ver- 
lagsunternehmungen wieder empor. Weidmann erkor ihn daher 1762 zum 
Geschäftstheilhaber, und nach dessen Tode übernahm Reich durch Vertrag 
mit Weidmann's Tochter Marie Luise die Handlung unter Firma „M. G. 
Weidmann's Erben und Reich" allein. Selbst sehr gebildet, ehrte er Bildung; 
er zahlte an Schriftsteller Ehrensold manchmal über Begehr und Erwarten; 
er sah allwöchentlich an einem bestimmten Abend die Gelehrten, Schöngeister 
und Künstler Leipzigs bei sich, ja sogar auf Reisen pflegte er die Gelehrten 
I) Briefe über 
von Torkel Baden. 
Christian Ludwig von Hagedorn, 
von und an 
die Kunst 
herausgegeben
        

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