Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Anton Graff
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1440996
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1441570
Berufung nach Dresden. 
Die 
selbstbeliebiger Reise oder, im Fall er für sich in Dresden zu wohnen Lust 
hätte, nach Vertluss eines jahres nach Befinden überdies ein mehreres erhalten. 
Dieser letzte Umstand bezieht sich darauf, wenn der Künstler nicht durchaus 
oder in toto (wie nach der Einsicht des Züricher Correspondenten kaum zu 
befürchten ist) sondern nur in gewissen Stücken oder in certis missfiele, und 
Hoffnung wäre, dass er sich, wie von Rotari, Torelli und Roos längst an- 
gemerkt worden, sowie sich die Früchte guter Erinnerungen dermalen viel- 
leicht an Canaletto gewiesen, durch den hiesigen Aufenthalt in seiner Kunst 
stärker und zu anderweiten Proben geschickt machen solltefil) 
 Diese Vorschläge wurden vom Prinzenadministrator gebilligt. Hagedorn 
setzte also ein Schreiben auf, worin er die Bedingungen genau formulirte, 
und schickte es an Heidegger ab mit der Bitte es an Graff, der sich unter- 
dessen von Augsburg nach Zürich begeben hatte, zu übermitteln. Dessen 
Antwort aber setzte sowohl Hagedorn als Heidegger in Erstaunen. „Ich habe 
Dero Schreiben an Herrn Graff bestellt," schreibt derselbe am 27. November 
von Zürich aus; „es sind etwa zwei Monate, seitdem er von Augsburg zu- 
rückgekommen ist. Acht Tage war ich ohne Antwort, ich schrieb zum 
zweiten Mal an ihn, endlich kam er selbst zu mir, ich fragte, ob er nach 
Dresden gehen wolle oder nicht? Sie, mein Herr, können die Antwort gewiss 
nicht vermuthen. Er sagte, er getraue sich nicht es darauf ankommen zu 
lassen, ob er gefallen werde oder nicht. Dresden haben immer grosse Künstler 
gehabt, er kenne seine Schwäche, und da er niemals bei Höfen und hohen 
Herrschaften gewesen, so mangele ihm alles Aeusserliche, das so oft empfehlen 
kann, und drgl. mehr. Ich war erstaunt über solche Bescheidenheit und wusste 
zuletzt selbst nicht, wie ich die Sache anfangen sollte".2) 
Graff's Bedenken waren so unbegründet nicht. Er fürchtete mit Recht, 
dass, wenn die Reise nach Dresden nicht den gewünschten Erfolg hatte, seine 
Aussichten in Augsburg vollständig gefährdet waren. Es galt einen Ausweg 
zu finden, und ein solcher zeigte sich auch bald. "Ich hatte eben mein 
Portrait gemalt, das ich dem Pfarrer Wirz in Rickenbach aus Dankbarkeit 
zum Andenken gewidmet hatte, weil er Alles dazu beigetragen hatte, dass ich 
ein Maler geworden war. Dieses Bild hatte ich bei mir und man rieth mir 
es nach Dresden zu schicken".3) Das geschah, und Heidegger schickte dem 
Bilde einen abermaligen Empfehlungsbrief voraus. "Ich habe Graff den Vor- 
schlag gethan", schreibt er, „er solle sein eigen Portrait mir zur Versendung 
an Sie übergeben: falls er dann auf dieses hin berufen werde, so solle er 
I) Kg]. sächs. Hauptstaatsarchiv, Acta die neuerrichtete Kunstakademie betreffend. 
2) Briefe von INIitgIiecIex-n der Akademie an Chr. Ludw. von Hagedorn im kgl. sächs 
Hauptstaatsarchiv. 
3) Selbstbiogmlnlzie.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.