Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Anton Graff
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1440996
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1441568
Berufung nach Dresden. 
Die 
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dass Hagedorn einen Portraitmaler suche und dass er desswegen an ihn 
schreiben wolle um mich vorzuschlagen. Ich verbat mir aber dieses, weil 
ich mich zu schwach für eine solche Stelle hielt". Er gedachte damals sich 
für immer in Augsburg niederzulassen und von da. aus kleine Reisen zu 
machen. 
Heidegger liess sich aber durch Graff's schüchterne Weigerung nicht ab- 
schrecken. „Ich habe auf meiner Retour zu Augsburg einen jungen Mann, 
Graff, von Winterthur aus der Schweiz, angetroffen", schrieb er am 3. October 
1765 an Hagedorn. „Er malt im Geschmack des Desmarees und ist wirklich 
in seiner Kunst stark. Ich weiss dermalen Niemanden von dieser Art in der 
Academie. Vielleicht würde er hinkommen, wenn er sein Etablissement 
wüsste; in Absicht auf den moralischen Charakter ist er der gesittetste Künstler, 
den ich kenne".1) 
Hagedorn kam unter den obwaltenden Umständen Nichts erwünschter 
als Heidegger's Brief. Er schickt denselben am 25. October 1765 von 
folgendem "unterthänigsten Vortrag" begleitet an den Prinzenadministrator ein: 
„Einen Bildnissmaler in Vorschlag zu bringen ist, sonder einiger Behut- 
samkeit, nicht weniger schwer als ihn auf's Ungewisse anzunehmen oder so 
weit herzulocken. Am füglichsten könnte, gnädigst genehmigten Falls, die 
Bedingung also gefasst werden: Wollte der Künstler Graff sein Glück in 
Dresden versuchen, so würde, damit er nicht ganz auf's Ungewisse herkäme, 
der Hof ihn zum Versuche wenigstens drei Bildnisse  halbe Figur mit 
Händen daran  malen und auf so lange ihm ein freies Quartier anweisen, 
auch jedes Bildniss, es möge höchsten Beifall finden oder nicht, mit oder 
ohne Hand, mit funfzig Thalern, und wenn das Bild zwei Hände habe, mit 
1oo Thalern oder 66 Thlr. 16 Ngr. bezahlen lassen. Alsdann wären zwei 
Fälle: Entweder seine Arbeit fände höchsten Orts gnädigsten Beifall oder 
nicht. Im ersten verhofften Fall würden ihm  zugleich in Rücksicht auf 
die hier eingeführte Verbindlichkeit Jahr aus Jahr ein einen im Zeichnen schon 
unterrichteten Lehrling in seiner Kunst ohne andern Aufwand lediglich an- 
zuziehen, auch jährlich wenigstens ein Bild für den Hof unentgeltlich zu 
verfertigen  Vierhundert Thaler jährlichen Gehalts und Einhundert Thaler 
zum Ersatz der Reisekosten angeboten werden, wobei er sich nach dargelegten 
Merkmalen seiner Geschicklichkeit künftig zu einer Verbesserung seines Ge- 
halts gewiss Hoffnung machen könnte. Fände aber des ganz unvermutheten 
und vornehmlich meiner eignen Bedeckung wegen anzuführenden Falls der 
Hof an den zur Probe verfertigten Bildnissen die Erwartung nicht erfüllt, so 
würde der Künstler nichts desto weniger vorgedachte Einhundert Thaler zu 
I) Briefe von Mitgliedern 
Hauptstaatsarchiv 89 5  
der 
Academie 
Chr. 
Ludw. 
von Hngedorn. 
Kgl. 
Sächs.
        

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