Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Anton Graff
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1440996
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1441508
Augsbufg 
Schneider und zudem noch die Freundschaft der Frau Hofmalerin und ihrer 
Töchter, welche eben nicht unartig waren".1)  
Das Hauptsächlichste seiner Ansbacher Thätigkeit ist in diesen Worten 
gegeben. Fast ein Jahr lang musste er das Portrait Friedriclfs d. Gr., das 
damals zur Zeit des siebenjährigen Krieges von jedermann gekauft wurde, 
nach einem Bilde, das des Königs Schwester, die verwittwete Markgräfin, in 
Berlin hatte malen lassen, copiren und machte jeden Tag eine solche Copie 
fertig. Er hat sich dabei jene Praktik, jene Sicherheit und Fertigkeit des 
Pinsels angewöhnt, die ihn von nun an durch sein ganzes Leben begleitet. 
Aber auch höhere künstlerische Anregungen hat er in Ansbach empfangen. 
Er sah hier im Markgrällichen Schlosse zum ersten Male Bilder von Rigaud 
und Kupetzky. Er sah, wie Kupetzky nur Kopf und Hände betonte und 
die Draperie vernachlässigte, und wie Rigaud's Stärke umgekehrt ausschliess- 
lich die schöne Behandlung der leichten Draperie war. Beide Vorzüge suchte 
er seitdem in seinen Bildern zu vereinigen. Wenn Rigaud während seines 
ganzen Lebens der Meister blieb, den er unter allen Neuern am höchsten 
stellte; wenn er von den beiden Familiengemälden Kupetzky's im Schlosse 
von Bayreuth, die er im März 1766 auf seiner Reise nach Dresden sah, 
sagte: „In den zwei Familiengemälden von Kupetzky herrscht die wirkliche 
Natur, nichts gemaltes, das Leben selbst; alle andere Gemälde, die man 
hernach ansieht, werden dadurch matt und Hach",2) so waren das keine 
neuen Eindrücke sondern bloss die klare Formulirung derjenigen, die er in 
Ansbach eingesogen hatte. 
Bloss in einer Beziehung wurde sein Aufenthalt unbehaglich. Sein Lehr- 
herr Schneider gerieth, soviel Geld er auch verdiente, allmählich in Schulden, 
und seine schlechte Wirthschaft vermochte den Markgrafen ihm Quartier im 
Zuchthause anzuweisen. Es war Graff daher lieb, als zwei Tage vor der 
Gefangensetzung im Februar 1759 ein Brief von Haid ankam, worin er 
schrieb, dass er, wenn er Lust hätte wieder nach Augsburg zu kommen, es 
nun ungehindert thun könne, weil seine hauptsächlichsten Gegner gestorben 
wären. Er ging darauf ein und zog wieder zu Haid, der ihm Wohnung 
und Kost gab.  
Die erste neue Bekanntschaft, die er in Augsburg machte, bildete den 
Anfang einer lebenslänglichen Freundschaft: es war die mit dem jungen 
Johann Friedrich Bause aus Halle, der gerade nach Augsburg gekommen 
war um bei einem Kupferstecher den Grabstichel führen zu lernen; sein 
Portrait war zugleich das erste, das Graff seit seiner Rückkehr in Augsburg 
malte. Unter den Augsburger Künstlern, mit denen er verkehrte, nahm der 
1) Heidegger a. a. O. 
2)  C. Füssli a. a. O.
        

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