Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Peter Candid
Person:
Rée, Paul Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1437919
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1439159
90 
Zweiter 
Teil. 
eine Umwandlung erfahren habe, sondern dafs ein anderer 
Entwurf, also vielleicht der des Candid, der das Problem in 
etwas anderer Weise gelöst, zur Ausführung bestimmt worden 
sei. Die Ähnlichkeiten erklärten sich eben aus dem Urbilde. 
ja, man könnte geneigt sein an eine Konkurrenz zu denken 
(die in jener Zeit auch vorkommt) und die Zeichnung des Schwarz 
für einen zurückgewiesenen Entwurf halten. S0 verlockend dies 
auch Wäre, denn damit wären alle Schwierigkeiten gehoben, 
so ist doch diese Annahme deshalb nicht erlaubt, da die Me- 
dusa, die auf dem Cellinischen Werke eine verkrüppelte, ver- 
schränkt liegende Gestalt ist, auf der Zeichnung wie in dem 
Werke als schöne, üppige Frauengestalt und in beiden in ähn- 
licher Weise gelagert erscheint, und da noch andere Ähnlich- 
keiten hinzukommen, die eine Unabhängigkeit des Werkes von 
der Zeichnung des Schwarz ausschließen. Fest steht, dal's das 
Werk einen von der Zeichnung durchaus verschiedenen Cha- 
rakter trägt. Konnte Gerhard ihm denselben eingeprägt haben? 
Um hierüber zu einer sicheren Entscheidung zu gelangen, 
werden wir eine Umschau unter den Werken dieses Meisters 
halten müssen, und diese wird uns lehren, dafs wir es nicht mit 
einer selbständigen und selbstschöpferischen Kraft, sondern mit 
einem, wenn auch künstlerisch ernpiindenden, so doch vornehm- 
lich durch eine gewandte Technik hervorragenden Meister zu 
thun haben, der es in vortrefflicher Weise verstand, den indi- 
viduellen Eigentümlichkeiten der in den verschiedensten Stil- 
richtungen thätigen Künstler gerecht zu werden. Einen be- 
stimmt ausgesprochenen Charakter finden wir in seinen Werken 
nicht, sondern dieselben bestätigen die Angaben der verschie- 
denen Autoren, dafs Gerhard nach Zeichnungen anderer ge- 
arbeitet habe. Die Werke, die wir von ihm kennen, sind: Die 
Steiniiguren an der Fassade der Michaelskirche (wie wir sahen 
nach Zeichnungen des Weinher und Sustris von ihm modelliert), 
der Erzengel Michael ebendaselbst, von dessen künstlerischem 
Ursprunge später die Rede sein wird, der Perseus des Grotten- 
höfchens, die Kolossalgruppe von Mann, Frau und Kind, Welche 
Hans Fugger im Jahre 1590 in Augsburg anfertigen liefs, und 
die sich ursprünglich im Kirchheimer Schlofshofe befand, später 
nach Augsburg kam und seit dem Iahre 1871 in dem Garten
        

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