Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Peter Candid
Person:
Rée, Paul Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1437919
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1439128
Das 
Grottenhöfchen in 
der 
Herzoglichen Residenz. 
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aus dem Umstande hervor, dafs er mit diesem Ateliergemein- 
schaft hatte, wie eine uns aus dem Kreisarchive zu Landshut 
zugegangene Rechnungsnotiz zeigt: „Was und Wieuil yber den 
Frtl. neuen residentz paw erloffen de anno 1612: widerumben 
von abbrech: vnd wider aufsezung Öfen in des Khrumpers vnd 
P. Candido werckstat fl. 8 Xr. 2 3." Es ist wohl möglich, dal's 
Candid bei den ihm zugeschriebenen plastischen Arbeiten sich 
nicht auf die blofse Lieferung der Zeichnungen beschränkte, 
sondern auch an der Modellierung teilnahm, oder diese doch 
in ähnlicher Weise leitete wie die Ausführung der Teppiche, 
bei der er, wie bezeugt ist, hie und da Verbesserungen vernahm. 
Da wir keine Zeichnungen Krurnpers besitzen, so müssen 
wir, um zu entscheiden, 0b dieser oder Candid der Zeichner 
der erhaltenen fünfzig Zeichnungen zum Ludwigsmaussoleum 
war, uns darauf beschränken, diese mit sicher bezeugten Zeich- 
nungen unseres Meisters zu vergleichen. Die Darstellungen 
sind erst in Blei gezeichnet und dann mit Tusche nachgezogen, 
wobei der Zeichner vielfach sehr iiüchtig verfuhr, einzelnes je- 
doch, wie z. B. die Figuren der Herzöge und Landsknechte und 
die oben gelagerten Gestalten des Krieges und des Friedens 
sind mit Sorgfalt behandelt und diese letzteren erinnern in 
der Strichgebung, der Art der Ausführung, der Behandlung 
der Falten unmittelbar an die Figuren auf den Entwürfen 
zum Augsburger Rathaussaale, die er im Jahre 161g geschaffen 
hatte. Bezeichnend für ihn ist auch, dal's ein grofser Teil 
der Beischriften italienisch ist, und nur in einzelnen Wen- 
dungen, die auch dem Fremden bekannt sein konnten wie 
„Albert seitten" oder "Wilhelm seitten" deutsch gegeben sind. 
Das ist wohl erklärlich, wenn Candid die Zeichnungen schuf, 
wie aber der gute Weilheimer Krumper, von dem es durchaus 
nicht bekannt ist, dafs er je in Italien war, dazu gekommen 
sein sollte, italienisch zu Schreiben, erscheint uns unbegreiflich. 
Die Untersuchung der Handschrift, die hier sehr unsicher ist, 
ergab kein positives Resultat, denn wenn auch die Unsicher- 
heit den alten Mann verriet, so führte doch nicht der Vergleich 
der Buchstabenformen mit denen des schon mehrfach ange- 
führten Briefes vom Jahre 1602 direkt auf Candid, da einige Ab- 
weichungen vorkamen; dieselben sind jedoch andererseits zu
        

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