Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Peter Candid
Person:
Rée, Paul Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1437919
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1439069
Das 
Grottenhöfchen in 
der Herzoglichen Residenz. 
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bilde des Candid. Mit scharf nach links gedrehtem Oberkörper 
sitzt dieselbe nach rechts auf einem Felsen und ist im Begriff, 
dem links neben ihr mit aufgeschlagenen Rade stehenden Pfau 
mit der erhobenen Rechten ein Auge des Erschlagenen ein- 
zusetzen, dessen mit Augen übersäter aber zum gröfsten Teile 
durch den Felsen verdeckter Körper links von diesem liegt, 
Während das auf demselben liegende abgeschlagene Haupt von 
der Göttin gehalten Wird, deren schöne Arme nackt aus dem 
durch einen Spangengürtel zusammengehaltenen Gewande her- 
vortreten. Was an dieser Figur besonders angenehm berührt, 
ist der feine Rhythmus der Bewegung, das Spiel der Kontraste, 
das doch durch Mafs und Gesetz gezügelt ist. ' 
Auf diese beiden Gemälde beschränkte sich jedoch die 
Thätigkeit des Candid in der Grottenhalle nicht, denn er em- 
pfing noch häufig Farbe für Arbeit in derselben, ohne dafs 
diese näher bezeichnet wäre. Wir meinen jedoch in einzelnen 
Partien seine Kunstweise zu erkennen. Zunächst in den sieben 
Putten über den Arkadenbögen, die uns in ihrer ganzen Auf- 
fassung an den lustigen Puttenfries im Goldenen Saale des Rat- 
hauses in Augsburg erinnern, der, wie wir später beweisen 
werden, dem Entwurfe nach von Candid herrührt. Wir halten 
mit Hefner die dritte Figur vom Eingänge aus gerechnet, die 
in Dreiviertelprofil von hinten sichtbar ist, für die beste. Ferner 
scheinen uns die Gestalten in den Kartuschen der Zwickel sein 
Werk zu sein, deren Vergleichung mit ähnlichen von Sustris 
in der Trausnitz gemalten, sowohl in der Wahl der Stellungs- 
motive als in der Proportion der Körperteile, die gröfsten V er- 
schiedenheiten aufweist, während sie denen an der Decke der 
einen nördlichen Durchfahrtshalle der Residenz, die wir später 
kennen lernen werden, ähnlich sind. Von besonderer Schön- 
heit sind unter denselben ein mit einem Blumenkorbe auf dem 
Haupte vorwärts eilendes und sich im Laufe umwendendes 
Mädchen, eine tamburinschlagende Tänzerin mit entblöfstem 
Oberkörper und Hatterndem, leicht um die Lenden geschlungenem 
Gewande, sowie ein nach vorn schreitendes Mädchen, das nach 
links blickend nach rechts hin einen Korb mit Blumen hält, 
wobei ihr schöner rechter Arm in anmutiger Bewegung schräg 
über den Körper hinweggleitet. 
Röe, Peter Candirl. 6
        

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