Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Peter Candid
Person:
Rée, Paul Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1437919
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1438532
Einleitung. 
entgegen, denn er ist nicht gesonnen, den Jesuiten, denen er 
als Rettern der katholischen Sache in Deutschland sich zu 
schuldigster Dankbarkeit verpflichtet fühlte, irgend etwas ab- 
gehen zu lassen. Gegen sie, die beim Volke wenig beliebt 
waren, richtete sich vornehmlich der Unwille der Stände. In 
der Erwiderung Wilhelms lesen wir: "Überiiüssiger Gebäude 
wisse sich der Herzog nicht zu entsinnen, denn dafs er sich in 
der Feste etwas Bequemlichkeit und Ergötzlichkeit zurichten 
lasse, wie jeder in seinem Hause thut, werde ihm hoffentlich 
niemand verargen. Dafs er für die Väter der Gesellschaft Jesu 
eine neue Kirche zu erbauen vorgenommen, sei nicht ohne, ge- 
schehe aber, da Herzog Albrecht zu Erhaltung der katholischen 
Religion und Verbesserung der Schulen ein eigenes Kollegium 
fundiert, dessen Väter noch gar keine Kirche hätten. Solche 
Stiftungen dürften auch wohl nötig sein, um in dieser sündigen 
Zeit den Zorn Gottes zu stillen." Da meinen die Stände „In- 
betreff seiner Wohnung wolle man dem Herzoge kein Mafs 
geben, sondern spreche von anderen Nebengebäuden, die nie- 
mand Nutzen bringen als denen, so sie angeben. Die Kapelle 
in der Neuveste und die Kirche Societatis Jesu hätten wohl 
auf gelegenere Zeit verschoben werden mögen." Die Streitig- 
keiten mit den Ständen hörten nicht auf, denn keiner gab nach. 
Die Erbitterung wuchs vielmehr von Jahr zu Jahr, da die 
Schuldenlast immer gröfsere Dimensionen annahm und im Jahre 
1594 schon auf 5 Millionen angewachsen war. Dabei nahm mit 
der Liebe für die Jesuiten die Neigung Wilhelms zu religiösen 
Übungen überhand und so entfremdete er sich seinem Volke 
mehr und mehr. Er mufste es fühlen und einsehen, dafs der 
Staat einer anderen Leitung bedurfte und entschlofs sich daher, 
am Ende des Jahres 1594 seinen einundzwanzigjährigen Sohn 
Maximilian zum Mitregenten anzunehmen, dem er schon ein 
Jahr vorher die Erbhuldigung „in eventum" hatte leisten lassen, 
und der nach seiner Rückkehr aus Italien schon mehrfach an 
den Staatsgeschäften teilgenommen hatte. Im März des Jahres 
1595 trat Maximilian die Regentschaft an, mit dem festen Vor- 
satze, die traurige Lage zu bessern und das Land zu retten. 
Doch fehlte ihm, wie es scheint, die nötige Freiheit, um überall 
selbständig vorzugehen. Wie zuvor blieb Wilhelm äußerst
        

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