Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Peter Candid
Person:
Rée, Paul Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1437919
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1438485
Einleitung. 
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bestimmen vermögen, das ihm seine Zeit zollte, indem sie ihn 
den deutschen Raffael nannte, so doch zu hoher Wertschätzung 
alle Ursache geben. In übertriebener Weise rühmt ihn der 
jesuitendichter Jacob Baldel), der ihn in einer Aufzählung der 
bedeutendsten Maler aller Zeiten nennt, die mit Parrhasios und 
Zeuxis beginnt und mit Rubens endet. Merkwürdigerweise 
gedenkt er hier des Candid nur ganz vorübergehend, indem er 
seinen Namen zu einem Wortspiele benutzend, sagt: 
Omne tulit punctum Niger hic dixere periti, 
Inter censores Candidus ipse fuit. 
Liegt in dem ipse auch eine Anerkennung seiner Bedeutung, 
so ist es doch in hohem Grade auffallend, dafs er sowohl hier 
des angesehenen Künstlers, der ihm zeitlich so nahe stand, nicht 
weiter gedenkt als auch bei Besingung vieler Werke desselben 
niemals dessen Namen nennt, während er in einem Hymnus 
auf das Michaelsbild 2) den Namen des Schwarz anzugeben nicht 
unterläfst. Es scheint überhaupt die Neigung vorhanden ge- 
wesen zu sein, diesen Künstler als geborenen Bayer gegen den 
Fremdling Candid herauszustreichen. In einer Beschreibung 
der Frauenkirche3) wird ihm die Bemalung des Bennobogens 
zugeschrieben, die wie erweislich erst 8 ]ahre nach seinem 
Tode erfolgte.  
Das bedeutendste Werk des Schwarz ist das Altarbild in 
der Michaelskirche zu München, das er im Jahre 1588 malte 4), 
und für welches er im ]ahre 1591 H. IOOO erhieltß) Dasselbe 
stellt den Sturz des Luzifer dar und zeichnet sich durch be- 
sonders zarte Lasuren und eine schöne Tiefe, sowie durch eine 
ungemein sorgfältige Ausführung aus. Leider ist die Auf- 
hängung eine höchst ungünstige, denn abgesehen davon, dafs 
dieselbe viel zu hoch ist, wird das Bild durch das gewaltige, 
1) Iacob Balde, Opera poetica V. Symphorianus Cinna Pictor Uraniae Ar- 
gumentum, Epistolae tertiae. Ausgabe v.  1729. 
2) Opera poetica I. 
3) Manuskript im Kgl. allgemeinen Reichsarchiv zu München. Der Hand- 
schrift nach aus dem Anfange des I8. Jahrhunderts. 
4) Malerrechnung im Kgl. Kreisarchiv für Oberbayern. 
5) Rechnungen vom Bau der Michaelskirche im K. allgemeinen Reichs- 
archiv Zu München.
        

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