Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Peter Candid
Person:
Rée, Paul Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1437919
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1440427
Candids Thätigkeit f. d. v. 
Maximilian gegr. 
Teppichmanufaktur. 
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den Gewändern, z. B. der Türken auf dem Anconateppiche, des 
Kaisers auf dem Klausenteppiche, sowie des Brautpaares auf 
dem Vermählungsteppiche, und ebenso die schön gewirkten 
Decken, die in den Darstellungen der Verhandlung mit dem 
Papste und der Belehnung mit Bayern auf den Thronstufen 
liegen. Die Mannigfaltigkeit der Gewandbehandlung und der 
ornamentale Schmuck der Rüstungen und Waffenstücke offen- 
baren des Künstlers reiche und fruchtbare Phantasie. Für seine 
Liebe zur Natur spricht mehr als irgend etwas die Meisterlich- 
keit, mit der er die Tierwelt darzustellen weifs, die wie in seinen 
Grottesken so auch in diesen Darstellungen besonders stark 
vertreten ist. Wie köstlich kontrastiert der alte, müde Acker- 
gaul des Märzteppichs mit dem feurigen Zelter des April- 
teppichs, der in stolzem Bewufstsein seine schöne Herrin zur 
Reiherbeize trägt, und wie geschickt sind der gemütliche Jagd- 
hund des Ianuarteppichs und die trotzige Dogge auf dem Tep- 
piche der Treuschwurleistung der jedesmaligen Stimmung an- 
gepafst. Wie behaglich liegt auf dem Winterteppiche das 
Hündchen unter der Ofenbank, und welche Iagdlust verraten 
die spürenden Hunde des Hippolyt sowie die kräftigen Rüden 
des Iuli- und des Novemberteppichs, und die anderen Haustiere, 
die Rinder, Schafe, Ziegen etc., wie sind sie alle mit ihren 
eigenartigen Physiognornien und Bewegungen studiert und 
wiedergegeben. Ihnen allen merkt man es an, dal's der Künstler 
bei ihrer Schöpfung mit voller Schaifensfreude thätig ge- 
Wesen ist. 
Von seinen übrigen Werken kommen den genrehaften 
Teppichdarstellungen die drei aus der alten Residenz stam- 
menden, jetzt in Schleifsheim befindlichen Dekorationsstücke 
Jagd, Vogelfang und Fischerei am nächsten, auf denen, wie 
auch auf dem Iagdbilde des Theatinerganges, ebenfalls die 
Tiere besonders fein aufgefafst sind. Im allgemeinen fanden 
wir jedoch unseren Künstler auf anderen Bahnen wandeln, und 
wir meinen, dafs gerade aus einem Vergleiche der Teppich- 
darstellungen mit seinen übrigen Werken die universale An- 
lage seines Geistes a-m klarsten herausleuchtet.
        

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