Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Peter Candid
Person:
Rée, Paul Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1437919
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1440252
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Zweiter Teil. 
Nehmen wir die Darstellungen als das, was sie sein wollen 
und was sie auch wirklich sind, so müssen wir den ausge- 
sprochenen Tadel nicht nur entschieden zurückweisen, sondern 
geradezu bekennen, dafs der Künstler selbst in den genrehaften 
Darstellungen dem dekorativen Elemente durchaus gerecht zu 
werden wufste. Die zahlreich erhaltenen Entwürfe? zu den 
Teppichen zeigen, mit welcher Sorgfalt Candid bei der Kom- 
position zu Werke ging. Viele sind mit kleinen Varianten 
mehrere Male gezeichnet, und auf mehreren durch Übereinander- 
kleben einzelner Figuren und Gruppen verschiedene Lösungen 
gegeben. Gewöhnlich handelt es sich dabei um den seitlichen 
Abschlufs, auf den Canclid stets ein grofses Gewicht legte. 
Seine Werke wollen ein Ganzes sein, nicht ein blofser Ab- 
schnitt aus einem Ganzen, daher vermeidet er an den Grenzen 
willkürliche Durchschneidungen und ein gewaltsames Abbrechen 
der Umrifslinie. S0 verändert er oft die einzelnen Gruppen 
und modelt durch Hinwegnahme und Hinzufügung einzelner 
Teile so lange an ihnen herum, bis sie sich einheitlich zu- 
sammenschliefsen. Dabei versteht er es in musterhafter Weise 
das Wesentliche gegen das Unwesentliche hervorzuheben, ohne 
jedoch dieses irdendwie zu vernachlässigen. Welchen Fleifs" er 
auch auf die_ Einzelstudien verwandte, werden uns die Teppiche 
selbst lehren, die in drei Serien zerfallen. Die erste umfafst 
die Darstellungen der Thaten Ottos von Wittelsbach, die zweite 
die der Monate-, jahres- und Tageszeiten und die dritte besteht 
aus zwölf der biblischen und alten Welt entlehnten Exempel- 
Kompositionen. Zu allen Serien haben sich Handzeichnungen 
erhalten. Zur ersten ist die Zahl der Entwürfe gröfser als die 
der Teppiche, von der letzteren sind uns zwei Darstellungen 
nur durch die Handzeichnungen bekannt, da nur zehn von den 
Teppichen erhalten sind. Dieselben befinden sich in einem 
Saale des Wittelsbacher Palais in München, die übrigen, welche 
mit Ausnahme der jahres- und Tageszeiten zweimal gewebt 
1) Im 'Kg1_ Handzeichnllngs- und Kupferstichkabinet zu München. Die- 
selben sind mit der Feder gezeichnet und leicht getuscht, einige haben mehrere 
Farbentöne; die meisten sind zur Vergrößerung mit einem Quadratnetz ver- 
sehen. 
        

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