Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Peter Candid
Person:
Rée, Paul Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1437919
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1440164
Die herzogliche Residenz. 
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schnurrencle Kätzchen, dann stolze Schwäne, lustige Kibitze, 
bunte Papageien, {latternde Libellen und Schmetterlinge, 
kriechende Käfer, springende Heuschrecken und anderes Ge- 
tier ist hier fröhlich bei einander und in buntem Wechsel mit 
kostbaren Vasen, Lampen, Kettenschmuck, Trophaeen, Frucht- 
schnüren und anderem Zierrat vereinigt. In scharfem Winkel 
brechendes Stabwerk, das organisch in das Ganze eingefügt 
ist, bietet in dem bunten Gewirre dem Auge Halt und Ruhe. 
Aber nirgends ist tote Stille, sondern überall Leben und Be- 
wegung; schwebend spielt eines in das andere hinüber und das 
Ganze erscheint Wie ein lustiger, bunter Frühlingsreigen. Un- 
ermüdet weilt der Blick auf diesen lieblichen Bildungen, immer 
neues entdeckend, immer erfrischt und erheitert. Köstlich sind 
auch die kleinen, den Kappen der Kreuzgewölbe aufgemalten 
Darstellungen, dem Fischer-, jäger- und Marktleben, aber auch 
dem Mythus und der Allegorie entlehnt. Von denselben 
möchten wir einen Fischer, der gerade das volle Stangennetz 
ausgehoben hat und vor sich hält, sowie zwei Geflügelhänd- 
lerinnen besonders hervorheben. Weniger gut gelungen und 
überhaupt zum übrigen wenig passend sind die beiden Dar- 
stellungen in dem Scheitel der Tonnengewölbe: der Sturz des 
Ikarus und die Apotheose des Herakles. 
Die kreisrunden Mittelfelder der Kreuzgewölbe sind zwei- 
mal mit Stuckrosetten, sonst aber durch Malerei geziert, und 
zwar dreimal mit freien Durchsichten, an deren Balustraden 
Männer stehen, die entweder heruntersehen oder nach Vögeln 
schiefsen, zweimal mit Wappen, dem bayerischen und dem 10th- 
ringischen, einmal mit dem Monogramme des Maximilian und 
der Elisabeth, ganz oben über dem Ikarusbilde mit einer 
Sonne und neben dem Königlichen Saale mit der Jahreszahl 
MDCXVI. 
Im Stuckornament ist hier das ligürliche Element besonders 
stark vertreten, von dem die in vier Gewölben aus dem Kreuz- 
rippenornarnent herauswachsenden nackten Frauenleiber" am 
Schönsten 51m1 Von dem Gürtel ranken sich seitlich den Ober- 
körper umrahmende Ornamentglieder ab, die sich in dem Dia- 
dem des Hauptes mit dem schön geflochtenen Haare wieder 
vereinigen.
        

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