Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Peter Candid
Person:
Rée, Paul Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1437919
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1440087
Die herzogliche Residenz. 
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mit dem linken Fufs auf einen Salamander tritt; die Ver- 
schwiegenheit (Tacitum), eine in einer Landschaft sitzende, ganz 
verhüllte Gestalt, deren Mund versiegelt ist und die ihren linken 
F ufs auf eine Urne gesetzt hat, aus der Wasser iliefst, während zu 
ihrer Rechten ein Kranich mit einem Stein im Schnabel steht, 
sowie die Unwandelbarkeit (Constans), einen in einem Palast- 
hofe sitzenden Mann, der eine Säule umfafst. Das allegorische 
Beiwerk verdirbt den Eindruck, den die schön gezeichneten und 
ausgeführten Gestalten hervorrufen, von denen die Verschwiegen- 
heit als die beste bezeichnet werden mufs. 
Die acht Friesbilder sind Exernpeldarstellungen zu jenen 
Tugenden, und zwar sind als Beispiele des ehrlichen Rates der 
ältere Rat des Rehabeam (1. Kön. 12, 7) und die Traumdeutung 
des Joseph (I. Mos. 41, 25 ff.) gewählt. Den unbefangenen Rat 
stellen der auf dem Scheiterhaufen der Worte des Solon ge- 
denkende Krösus und Charidemus vor Darius dar. Der junge 
Papirius Praetextatus, der vom Rate heimkehrend von seiner 
Mutter vergeblich versucht wird, das Amtsgeheimnis zu brechen 
und Pompejus, der zum Zeichen seiner Verschwiegenheit die 
Hand ins Feuer hält, werden als Muster dieser Tugend hin- 
gestellt. Die Unwandelbarkeit der Gesinnung verkörpern So- 
krates unter den Griechen, und Metellus, der das Vaterland 
verliefs, um ein schädliches Gesetz nicht zu unterschreiben. Alle 
Darstellungen haben lateinische Beischriften. 
Die in den Darstellungen dieser Räume ausgesprochenen 
Ideen zusammenfassend, kündeten die den jetzt verschwundenen 
Kaisersaal schmückenden Werke, dafs der wahrhaft tugend- 
hafte Herrscher nicht nach Ruhm und äufserer Macht strebe, 
sondern in echt stoischem Sinne ein wahrer Weiser zu sein als 
höchstes. Ziel vor Augen habe, und zeigten in einer Reihe von 
Bildern, dafs selbst die stärkste Gewalt dem kühnen Mute, der 
Liebe, der Tugend und der Weisheit weichen müsse. Der Rund- 
bogen des nach dem grofsen Treppenhause führenden Mittel- 
portals enthielt eine Virtus aus Porphyr mit Lanze und Palm- 
zweig, zu deren Fiifsen ein Löwe, ein Adler, ein Lamm, ein 
Wildschwein und ein ßär gelagert waren, „die Zeichen ihrer 
Vollkommenheit und auch der Macht über das Laster", wie sich 
Rittershausen ausdrückt. Nach ihm möge die Beschreibung
        

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