Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Peter Candid
Person:
Rée, Paul Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1437919
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1439912
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Zweiter 
Teil. 
eine sich vor das bekrönende Diadem, hinter welchem Eichen- 
laub hervorkommt, legt. 
Nicht so gut gelungen wie diese vier Prachtgestalten ist 
das in der Nische aufgestellte Marienbild.  Das rechte Bein 
auf eine Mondsichel stellend, hält die Madonna mit der Rechten 
das auf ihrem Knie stehende Christkind, das, hinabblickend, 
mit einem Reichsapfel in der Linken, die Rechte wie segnend 
ausgestreckt und mit dem Oberkörper eine Rechtsdrehung ge- 
macht hat. Sie trägt ein Kleid mit langen geschlossenen 
Armeln und einen mit reicher Stickerei umsäumten Mantel, 
der vorn auf der Brust durch eine grofse Agraffe zusammen- 
gehalten, unter dem etwas seitlich nach unten gehaltenen linken 
Arm, dessen Hand ein Zepter hält, hervorkommt und, sich 
über den rechten Oberschenkel scharf hinwegziehend, über den 
rechten Unterarm abfällt. Das etwas der linken Seite zuge- 
wandte Haupt, von dem die Haare lang herabwallen, trägt einen 
Blütenkranz und eine hohe Krone, die von einem Sternenkranze 
umgeben ist. 
Ohne dafs das Werk wie der Erzengel Michael der Kunst- 
weise des Candid geradezu widerspräche, ist in demselben eine 
Unruhe und ein Mangel an Zusammenschlufs der einzelnen 
Teile, die bei der Vollendung der übrigen YVerke dieser Fas- 
sade nur um so stärker hervortreten. Beunruhigend Wirkt nicht 
nur die gezwungene Haltung des Kleinen, sondern auch die ge- 
ringe Beziehung, in der die Madonna zu demselben steht. Mangel- 
haft und nicht zu vergleichen mit der Maria der Säule ist die 
ganze Haltung der Madonna und auch dem Mantel fehlt die 
dort echt monumentale Lagerung. Trotz allem erkennen wir 
in dem Werke unseren Meister, dessen Eigentiimlichkeiten im 
einzelnen durchklingen, aber nicht zu einem Ganzen zusammen- 
gestimmt sind. Vielleicht hatte er bei der Fülle der Arbeiten 
die Modellierung dieser Gestalt dem Krumper allein über- 
lassen, mit dem er ja Ateliergemeinschaft hatte, während er 
an der der übrigen Figuren selbst teilnahm. 
Von köstlichem Reize ist die eingemauerte Bronzelaterne, 
die, im Grundrisse ein halbes Achteck, auf reichgeschmückter 
Konsole ruht. In Art eines Pavillons mit Kuppel sich auf- 
bauend zeigt sie an ihren Stützen zwischen den Glasfenstern
        

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