Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Peter Candid
Person:
Rée, Paul Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1437919
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1439834
158 
Teil. 
Zweiter 
Auch diese Angaben gestatten nicht, auf einen künstlerisch 
wirkenden Architekten zu schliefsen. Sind wir aber nicht durch 
die Rechnungsnotiz vom Jahre 1612 dazu gezwungen? Wie wir 
sahen, fand damals eine Konkurrenz zwischen Häckl, Krumper 
und Schön statt, und der Plan des letzteren wurde angenommen. 
Was nötigt denn aber zu der Annahme, dafs dieser der Ent- 
wurf des im Jahre 1612 begonnenen Nordilügels der Residenz 
gewesen sei? 
Sehen wir uns die Stiche Wenings an, die uns die Resi- 
denz von den verschiedenen Seiten in dem ursprünglichen Zu- 
stande zeigen, so kann es garnicht zweifelhaft sein, dafs die 
sich um den Kaiserhof legenden Grebäudeteile zusammen ge- 
plant worden sind, und dafs eine Trennung des nördlichen 
Flügels von dem auf ihn stofsenden Westflügel ebensowenig 
erlaubt ist, wie die Zerlegung des Westflügels in zwei für sich 
entstandene Teile. Der Gedanke einer mächtigen Saalanlage 
mit einem monumentalen Treppenhause, die fast den ganzen 
Nordflügel ausfüllen, konnte bei der Anlage eines solchen Baues 
unmöglich erst dann entstehen, nachdem man einen oder zwei 
Flügel mit einer stattlichen Reihe durchgehender Zimmer nach 
dieser Richtung hinausgeführt hatte. Wohl aber begreift sich, 
dal's man erst den mehr praktischen Bedürfnissen genügte und 
die nötigen Wohn- und Gesellschaftsräume schuf, um dann erst 
an den Bau von Pracht- und Repräsentationsräumen zu gehen. 
Hiefür spricht auch, dafs die beiden nördlichen grofsen Säle des 
Westliügels erst im Jahre 1617, also fünf Jahre später als die 
übrigen vollendet und somit wahrscheinlich erst mit dem Nord- 
Hügel aufgeführt worden sind. 
Ist aber die Anlage einheitlich geplant, so kann die "Visir" 
vom Jahre 16x2 kein Entwurf gewesen sein, und die Konkurrenz 
nicht einem solchen gegolten haben. Dagegen ist es sehr wahr- 
scheinlich, dafs es sich in derselben um die Ausarbeitung der 
von einem nicht technisch geschulten Manne entworfenen Pläne 
für die praktische Ausführung handelte, und gerade die er- 
wähnte Herstellung eines Modells, die auch in Italien Sitte War, 
seitdem die Maler architektonische Entwürfe lieferten  macht 
I) Vergl. 
und Michelangelo 
Raffael 
Anton Springer, 
x05
        

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