Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Peter Candid
Person:
Rée, Paul Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1437919
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1439726
Residenz. 
Die herzogliche 
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auf künstlerische Eigentümlichkeiten, die wir in solcher Voll- 
kommenheit und natürlichen Zusammenwirkung in dieser Zeit 
nur bei unserem Meister finden. 
Über die Zeit der Aufstellung des VVerkes an seinem 
jetzigen Standorte fehlen bestimmte Nachrichten, doch glauben 
wir, dafs diese noch zu Lebzeiten des Candid und wahrschein- 
lich nicht lange nach Errichtung des Rundtempels (1615) statt- 
gefunden hat, denn die Putten, die wahrscheinlich erst bei 
dieser Gelegenheit geschaffen wurden  im südlichen Resi- 
denzgarten ist von ihnen nicht die Rede  sind ganz im Geiste 
der Candidschen Kunst gehalten. Sie erinnern an die Wappen- 
haltenden Engel auf dem Ludwigsmaussoleum. Ein wie an- 
derer Geist bald nach seinem Tode die Plastik beherrschte, 
zeigten uns die kämpfenden Engel der Mariensäule. 
Äufsere Gründe widersprechen dieser Annahme nicht, denn 
wenn Thenn die im ]ahre 1621 verfafste Beschreibung Zeillers 
anführt, der das Werk tim südlichen Hofgarten nennt, um dar- 
zuthun, dafs es auf jeden Fall noch in diesem Jahre dort war, 
so widerlegt sich dieser Einwand dadurch, dafs Zeillers Be- 
schreibung nicht nur des Residenzgartens sondern überhaupt 
der Residenz wörtlich aus Hainhofers Reisebeschreibung ab- 
geschrieben ist. Alle nach 1611 geschaffenen Bauteile und An- 
lagen werden daher auch garnicht von ihm erwähnt. Noch im 
jahre 1644 nennt Merianl), der auf seinem Plane von München 
die Bavaria im nördlichen Hofgarten andeutet, indem er nach 
Zeiller berichtet, das Werk im südlichen Garten?) 
1) Merian Topographia Bavariae 1644. 
2) Ebensowenig spricht die von Thenn zitierte Stelle aus dem Gedichte des 
jacob Balde gegen unsere frühere Ansetzung der Aufrichtung der Statue auf 
diesem Rundtempel, die Thenn eben wegen jener Stelle und der Angabe auf 
dem Plane Merians in die Zeit zwischen I635 und 1644 setzt, Aus dem Ge- 
dichte geht im Gegenteil hervor, dafs sich im Jahre 1635 das Werk schon oben 
befand. In einem Epithalamion, das Balde im Jahre 1635 auf die Vermählung 
hlaximilians mit Anna, der Tochter des Kaisers Ferdinand, gedichtet hatte, wird 
bei einer allgemeinen Schilderung des nördlichen Hofgartens eine genaue Be- 
schreibung jenes Rundtempels gegeben, die also lautet: 
Cujus in amplexu tholus est mediaque medulla 
Surgit aprica dornus, mulcenti pervia vento 
Namque Eurus reliquaeque timent accedere Buccae 
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