Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Peter Candid
Person:
Rée, Paul Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1437919
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1439714
146 
Teil. 
Zweiter 
Aeufsere Gründe, das Werk dem Candid zuzuschreiben, 
haben wir nicht, denn die Angaben Rittershausens, der bemerkt, 
dafs es nach Candids Zeichnung gegossen sei und Naglersl), 
der noch hinzusetzt, dal's Krumper die Ausführung versah, be- 
ruhen doch nur, wie Heigel es von seinen ebenfalls dahin- 
gehenden Angaben bekennt, auf Vermutungen. Doch sind 
dieselben sehr Wahrscheinlich, da der Stil des Werkes ent- 
schieden dafür spricht. Thenn, der auch Candid für den Ur- 
heber hält, weist mit Recht auf die Ähnlichkeit der Helmbil- 
dung mit" denen der Landsknechte vom Ludwigsmaussoleum 
hin und bemerkt, was jedoch wenig beweisen will, dal's sich im 
Theatinergange, al fresco von Candid gemalt, eine Bavaria mit 
ähnlichen Attributen befände. Nicht nur in Einzelheiten wie 
in dem Helme, sondern auch in der ganzen Anlage offenbart 
sich die Statue als ein Werk des Candid. Die Wunderbar zarte 
Umrifslinie, der schön geschwungene Hals mit dem sich sanft 
vorneigenden und der leichten Körperdrehung entgegengerich- 
teten Haupte, das Zurücknehmen der rechten Schulter und da- 
gegen das mafsvolle Verdrängen des nach unten gehaltenen 
linken Armes, zumal aber die Beinstellung, die den ganzen 
Körper in einen labilen Gleichgewichtszustand versetzt und 
ihm etwas ungemein Leichtes und Freies giebt, das alles deutet 
darauf hinweist, dafs die Bavaria, welche Zeiller in seinem Itinerarium Germa- 
niae nov-antiquae Teutsches Reiszbuch durch Hoch vnd Nider Teutschland etc. 
Straszburg 1632 beschreibt, keinen Reichsapfel halte, der bei unserem KVerke 
gleichsam „der geistige Concentrationspunkt des XVerkes" sei, ferner, dafs Zeiller 
von Eichenlaub rede, das sich auf ihrem l-Iute befände, während auf dem Helme 
der Statue ein Hippogryph zu sehen sei und schliefslich, dafs diese einen Aehren- 
kranz halte, während Zeiller nur von einem "eher" spräche. Der letzte Umstand 
will garnichts besagen, die Erwähnung des Eichenlaubes ist wohl auffallend, 
wird aber nur als ein Versehen aufzufassen sein und kann, da der triftigste Ein- 
wand, die Nichterwähnung des Reichsapfels, nicht stichhaltig ist, bei der übrigen 
Übereinstimmung die Annahme der Identität nicht aufheben. Der letzterwähnte 
Einwand, der deshalb von einiger Bedeutung war, da die Fingerhaltung mehr 
oder weniger auf das Halten einer Kugel deutete, nicht aber weil diese den 
geistigen Konzentrationspunkt bildet, denn dazu müfSte die Figur wenigstens 
den Blick darauf richten, wird dadurch hinfällig, dafs, wie uns Herr Professor 
Heigel auf Grund einer Mitteilung des Kgl. Erzgiefsers Herrn Ferdinand Miller 
versicherte, der rechte Unterarm der Statue ergänzt ist. 
I) Künstlerlexikon.
        

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