Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Peter Candid
Person:
Rée, Paul Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1437919
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1439620
Thätigkeit in 
Münchens. 
der Frauenkirche 
137 
Im allgemeinen wird dem Candid der Entwurf der Säule 
mit ihrem ganzen Schmucke zugeschrieben. Davon kann aber 
nicht die Rede sein, denn dieselbe wurde erst im Iahre 1638, 
also lO jahre nach Candids Tode errichtet, nachdem die Ver- 
treibung der Schweden im Jahre 1632 sowie das glückliche 
Uberstehen der Pest zwei Jahre später dem Maximilian den 
Gedanken zur Errichtung eingegeben hatten. 
Auf breitem quadratischen Unterbaue, auf dessen Ecken 
Bronzegruppen von Ungeheuer bekämpfenden Engeln stehen, 
ruht ein hohes Postament, von dem aus nach einem Zwischen- 
gliede mit tiefer Hohlkehle, in der bronzene Engelsköpfchen 
und Guirlanden liegen, eine schlanke unkannelierte Säule mit 
korinthischem Kapital emporsteigt, die das Bildnis der Jungfrau 
trägt. Die Ungeheuer, eine Schlange, ein Basilisk, ein Löwe 
und ein Drache stellen den Aberglauben, die Pest, den Krieg 
und die Hungersnot dar. Auf den Schilden der Engel stehen 
verteilt die Worte: Super aspidem et basiliscum et leonem et 
draconem. Das Ganze ist von einer Dockenbalustrade um- 
geben, auf deren Eckpostamenten Bronzelaternen stehen. Unter- 
bau, Postament, Säulenschaft und Balustrade sind aus rotem 
Marmor, das übrige ist aus Bronze gebildet. 
Deutlich lassen sich in den Bronzeverzierungen zwei ganz 
verschiedene Kunstperioden unterscheiden; die Engelgruppen 
in dem Ubermafs der Bewegung und der allzukräftigen Formen- 
bildung kontrastieren stark gegen die erhabene Ruhe und die 
einfachen Formen der Maria. Nach Naglerl) sind sie von dem 
Glockengiefser Küstler gegossen, während Krumper den Gufs 
der Maria besorgte. Die Ausführung der Säule soll nach Hübner 
von einem Bildhauer König herrühren. 
Die Madonna entspricht ihrem Wesen nach ganz und gar 
denen, die wir auf den verschiedenen Gemälden unseres Meisters 
kennen gelernt haben. Auf einer Mondsichel stehend hält sie 
in der halb erhobenen Rechten ein Zepter, während auf ihrer 
Linken gemächlich das Kind gelagert ist, das die Rechte wie 
zum Schwur erhoben hat und in der Linken einen Reichsapfel 
hält. Sie trägt ein hochgegürtetes Gewand und einen von der 
1) NIünchen 
1883-
        

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