Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Peter Candid
Person:
Rée, Paul Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1437919
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1438317
Einleitung. 
Stoffe und durch die Hervorkehrung des psychologischen M0- 
mentes Weisen sie auf die Bahnen hin, welche in Zukunft die- 
Kunst zu wandeln hatte, die erst durch die grofsen Niederländer 
zu voller Verwirklichung der durch die Reformation gewonnenen 
Anschauungen und Ideen gelangte. 
Auf dem Gebiete der Plastik ist es vornehmlich Nürnberg, 
wo wir in einer Reihe bedeutender Meister, unter denen der 
biedere Peter Vischer hervorragt, die sich vollziehenden Wand- 
lungen verfolgen können, die mit denen der Malerei Hand in 
Hand gingen und zu einem ähnlichen Abschlusse führten. 
Die architektonischen Werke sind anfänglich kaum etwas 
anderes als italienische Bauten auf deutschem Grund und Boden 
und rühren auch meist von italienischen Baumeistern her. 
Erst als der deutsche Geist mit dem italienischen mehr 
vertraut war, als sich namentlich das italienische Ornament 
allgemein verbreitet hatte und die niederländische Bau- 
kunst ihren Einflufs mächtig geltend machte, sehen wir, wie 
auch die heimische Architektur sich wandelt, wie die Formen 
der Antike die Gotik zu durchdringen bemüht sind, so wie. 
es in reizvoller Weise am Sebaldusgrabe des Peter Vischer 
geschah. 
Der Bann der gotischen Herrschaft wird gebrochen, aber 
auch die strengen Formen der antiken Kunst werden gelockert, 
indem sie einerseits durch Einziehungen und Anschwellungen 
ihre ganze Gestalt verändern, andererseits die verschiedensten 
Formenelemente, die der Kleinkunst, zumal der Metall- und 
Ledertechnik entlehnt sind, und unter denen die Kartusche eine 
wesentliche Rolle spielt, in sich aufnehmen.  Das deutsche 
Ornament will sprechen, will gleichsam die Funktion verraten, 
die im Inneren des Baugliedes vor sich geht, während das italie- 
nische mehr in spielender Freiheit die Architekturglieder um- 
umspinnt. Das Streben der deutschen Renaissance-Architektur 
ging darauf hinaus, Konstruktions- und Dekorationsform inein- 
ander zu verschmelzen. Selbst in den entwickeltsten und llottesten 
Werken derselben klingt das alte Prinzip der Gotik durch, das 
dem leichteren Sinne des Italieners immer fremd geblieben ist. 
Das Ziel der deutschen Renaissance ist das volle Ineinander- 
aufgehen beider Prinzipien; nur diejenigen Werke, in denen sich
        

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